Ortenburg

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Ortenburg
Das Wappen von Ortenburg


Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Passau
Höhe: 358 m
Fläche: 60,73 km²
Einwohner: 7.064 (30. Juni 2011)
Postleitzahl: 94496
Vorwahl: 08542
Kfz-Kennzeichen: PA
Website: www.ortenburg.de
Erster Bürgermeister: Hans Halser (ÜW)

Ortenburg ist ein Markt im niederbayerischen Landkreis Passau und staatlich anerkannter Erholungsort. Im katholisch geprägten niederbayerischen Raum ist Ortenburg eine evangelisch-lutherische Enklave.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Ortenburg liegt im sogenannten Klosterwinkel sowie im Holzland südlich der Donau und nördlich der Rott in der typischen niederbayerischen Hügellandschaft. Großteile der Gemeinde befinden sich im Wolfachtal. Ortenburg selbst liegt direkt an der Wolfach, welche bei Vilshofen in die Donau mündet.

Der Marktplatz von Ortenburg
Die evangelische Marktkirche
Die katholische Pfarrkirche Maria Himmelfahrt
Die evangelische Laurentiuskirche in Steinkirchen

Ortsteile

Der Markt Ortenburg hat 112 Ortsteile: Ackersberg, Afham, Aisterham, Au, Aunberg, Bärndobl, Baumgarten, Berghof, Bindering, Birka, Blasen, Blindham, Breitreut, Buch, Buchet, Butzenberg, Demmlstadl, Dobl, Dorfbach, Drittenthal, Elexenbach, Froschau, Galla, Gassenmann, Gießhübl, Göbertsham, Greil, Hacklmühle, Hasling, Heimpering, Hierling, Hifering, Hilking, Hinding, Hinterhainberg, Hinterschloß, Hochhaus, Höck, Höfl, Holzkirchen, Hübing, Irgenöd, Isarhofen, Jaging, Kaiseraign, Kallöd, Kaltenöd, Kamm, Klugsöd, Knadlarn, Kollmann, Königbach, Kronöd, Kronthal, Kühhügl, Leingart, Lengfelden, Linden, Lohfeld, Lughof, Luisenthal, Maierhof, Maiersberg, Moosham, Neuhaus, Neustift, Nicklgut, Niederham, Oberhartdobl, Oberiglbach, Oberöd, Oberoh, Oh, Ortenburg, Ottenöd, Parschalling, Paulberg, Rammelsbach, Rauscheröd, Röhrn, Sammarei, Schalkham, Schallnöd, Schlott, Schmelzöd, Schöfbach, Schwaibach, Schwiewag, Söldenau, Spiegel, Steinbach, Steinkirchen, Thal, Unterhartdobl, Unteriglbach, Unteröd, Unteroh, Unterthannet, Urlmanning, Vorderhainberg, Vorderschloß, Wackersberg, Wappmannsberg, Weghof, Weinberg, Weng, Weweck, Wimberg, Wolfa, Würding, Wurmaign und Zell.

Geschichte

Ortenburg kann auf eine fast 900-jährige Geschichte zurückblicken. Grund- und Ortsherren waren die Grafen zu Ortenburg, deren Machtbereich im Hochmittelalter über weite Teile Nieder- und Oberbayerns, der Oberpfalz sowie Tirols und Kärntens reichte.

Stammvater der Ortenburger Grafen ist Siegfried von Spanheim (um 1000 - 1065). Sein Enkel Engelbert II., Markgraf von Istrien und Herzog von Kärnten (gest. 1141), heiratete um 1100 die reiche Erbtochter Uta des Burggrafen Ulrich von Passau. So erlangten die Spanheim-Kärntner Grafen umfangreichen Besitz in Niederbayern. Rapoto I., der vierte Sohn Engelberts II., regierender Graf von ca. 1120 - 1186, bekam den niederbayerischen Familienbesitz. Um 1120 baute er die Burg Ortenburg, (Ortenburg wurde bis 1531 Ortenberg genannt) und ist somit der Namens- und Stammvater der Grafen zu Ortenburg.

Eine besondere Anerkennung bzw. Aufwertung seines Stammes erhielt Graf Georg II., regierender Graf von 1462 - 1488. Ihm wurde vom Kaiser Friedrich III. mit Urkunde vom 14. April 1478 das bereits 1316 verliehene, jedoch abhanden gekommene Marktrecht erneut verliehen. Von da an durfte Ortenburg fünf Jahrmärkte halten. Außerdem wurde in dieser Zeit die Reichsunmittelbarkeit sowie der Blutbann zur Ausübung der höchsten Gerichtsbarkeit vom Kaiser nochmals ausdrücklich bestätigt. Unter der Regentschaft Graf Wolfgangs wurde der Markt und das Stammschloss im Landshuter Erbfolgekrieg im Jahre 1504 geplündert und gebrandtschatzt.

Die Grafen von Ortenburg zählten von jeher zu den angesehensten und mächtigsten Geschlechtern des bayer. Hochadels, so dass sie an Macht und Besitz mit den Wittelsbachern wetteiferten. Ihre größte Besitzausdehnung hatten sie im 12. Jahrhundert. 1530 wurde der Ort durch Graf Christoph von Ortenberg in Ortenburg umbenannt. Einer der fähigsten dieses Stammes, Graf Joachim zu Ortenburg, trat 1551 die Regierung an. Er war aufgrund seiner Eigenschaften, seines Besitzes und seiner Verwandtschaft sehr angesehen. 1555 wurde er Beigeordneter des Bayerischen Herzogs und nahm auf den Landtagen eine führende Stellung ein und war längere Zeit kaiserlicher Rat im Dienste Kaiser Ferdinands. Unter seiner Regentschaft wurde die Burg zwischen 1562 bis 1575 in ihrer heutigen Gestalt wieder aufgebaut. Gestützt auf den Augsburger Religionsfrieden von 1555, führte er am 17. Oktober 1563 in seiner reichsfreien Grafschaft die Reformation ein. Dadurch kam er in einen langjährigen Streit mit dem katholischen Bayerischen Herzog, insbesondere mit Herzog Albrecht V..

Durch Urteil des Reichskammergerichts in Speyer wurde am 4. März 1573 die damals von Bayern bestrittene Reichsunmittelbarkeit der Grafschaft Ortenburg bestätigt. So hat das evangelisch-lutherische Bekenntnisses in Ortenburg über vier Jahrhunderte bis heute erhalten.

Im Oktober 1624 verfügte Kaiser Ferdinand II. von Österreich die Ausweisung der Protestanten aus seinem Land. Der nächstgelegene Zufluchtsort für diese Glaubensflüchtlinge war die Grafschaft Ortenburg. Unter Graf Friedrich Casimir (1591 - 1658) fanden unmittelbar vor Ostern 1626 hundert dieser Flüchtlinge, davon 42 Kinder, zumeist aus dem Raum Grieskirchen, Neumarkt und Peuerbach, in Ortenburg Zuflucht. Bis Ende 1626 trafen nochmals mehr als 100 Glaubensflüchtlinge aus Österreich, teils aus dem Lande ob der Enns, in Ortenburg ein. Da für die vielen Obdachlosen auf Dauer keine entsprechenden Wohnungen zur Verfügung standen, überließ ihnen der Graf in dem östlich von Ortenburg gelegenen Waldgebiet Grund und Boden, den sie roden und sich darauf ansiedeln konnten. Die heutigen Orte Vorderhainberg und Hinterhainberg sind Gründungen dieser Flüchtlinge. Nach der Überlieferung führten diese Österreicher den Mostobstanbau ein und brachten die Kunst des Mostbereitens mit, was in der Folgezeit wirtschaftliche Bedeutung erlangte.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) hatten die Bewohner der Grafschaft Ortenburg oft große Not zu ertragen. 1634 fielen der Pest 275 Personen zum Opfer. 1648 waren es 189 und 1649 nochmals 205 Personen, die diese schreckliche Krankheit hinweggerafft hat. Ganze Familien sind ausgestorben.

Seit der Reformation wurde in Ortenburg auf die Schulbildung der Jugend großes Augenmerk gelegt. 1703 reformierte Gräfin Amalia Regina grundlegend das Schulwesen und führte die allgemeine Schulpflicht ein. Wie weitsichtig und fortschrittlich die Einstellung der Gräfin war; unterstreicht der Hinweis, dass in Bayern erst 1802 die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde. Heute gibt es in Ortenburg die einzige Evangelische Realschule in Niederbayern.

Eine einschneidende Veränderung gab es für die Bewohner Ortenburgs, als nach der Säkularisation im Jahre 1805 Graf Joseph Carl (1780 - 1831) die Reichsgrafschaft Ortenburg für das aus ehemals kirchlichem Besitz stammende Klosteramt Tambach eintauschte. Ortenburg wurde nun ein bayerischer Marktflecken. 1810 wurde im evangelischen Pfarrhof ein neues Schulgebäude errichtet, das heutige Gemeindehaus.

1892 wurde auf halber Höhe der Lindenallee eine katholische Kirche in neuromanischem Stil erbaut. 1899 ist die katholische Expositur Ortenburg zur selbständigen Pfarrei erhoben worden.

Im Zuge der Gebietsreform von 1972 bis 1978 wurde Ortenburg als zentraler Ort mit weiteren fünf Gemeinden eine Einheitsgemeinde. Sie ist flächenmäßig eine der größten Gemeinden im Landkreis Passau.

Das Schloss Ortenburg ging 1972 in den Besitz der bürgerlichen Familie Heinrich Orttenburger über. Seither wurde es von Grund auf renoviert und, soweit möglich, restauriert.

Im Jahre 1975 wurde der Stausee im Ortsteil Unteriglbach errichtet. Ein Jahr später, 1976, wurde das 222,7 Hektar umfassende Landschaftsschutzgebiet Schloss Ortenburg ausgewiesen.

Siehe auch: Ortenburg (Adelsgeschlecht), Reichsgrafschaft Ortenburg, Graf von Ortenburg, Kamm (Adelsgeschlecht), Tuschl (Adelsgeschlecht)

Bedeutung von Ortsnamen in der Gemeinde

Wappen

Der schräggerichtete, silberne Wechselzinnenbalken auf rotem Grund basiert auf dem Familienwappen der Grafen zu Ortenburg, aus dem Hause Spanheim. Diese legten wahrscheinlich um 1120/30 den heutigen Markt an. Die Gemeinde führt das Wappen seit dem 19. Jahrhundert.

Siehe Hauptartikel: Wappen (Ortenburg)
Siehe auch: Ortenburger Panther

Politik

Bürgermeister

Marktgemeinderat

Der Marktgemeinderat (16 Sitze + 1. Bürgermeister) setzt sich wie folgt zusammen:

Religion

Ortenburg war ursprünglich eine evangelische Enklave im katholischen Umland. Heute existieren folgende Pfarreien im Gemeindegebiet:

Sehenswürdigkeiten

Die Wallfahrtskirche Sammarei

Tourismus

In Ortenburg gibt es mit dem Wildpark beim Schloss und dem Vogelpark Irgenöd gleich zwei Attraktionen für Tierfreunde und Familien. Im Schloss selbst befindet sich ein Heimatmuseum.

Motorradweihe des MSC Ortenburg.

Veranstaltungen

Ortenburger Ritterspiele

Im Abstand von etwa 2 Jahren finden die überreginal bekannten Ortenburger Ritterspiele statt.

Ortenburger Schlosskultur

Seit einigen Jahren bietet der Förderkreis Bereich Schloss Ortenburg ein umfangreiches Kulturprogramm unter dem Titel Ortenburger Schlosskultur an.

Steinkirchener Herbstkonzerte

Seit dem Jahr 2003 findet zum Gedächtnis an die Ortenburger Reformation jährlich die Steinkirchener Herbstkonzerte statt.

Motorradweihe

Jedes Jahr wird Anfang Mai vom MSC Ortenburg die Motorradweihe, die unter dem Motto Sicherheit und Vorsicht steht, veranstaltet. Bis zu 2000 Biker kommen jedes Jahr, um sich und ihre Motorräder für die kommende Saison segnen zu lassen. Es wird ein umfassendes Rahmenprogramm geboten. Von Motorradsimulator, Motocross-Show-Läufen, Quadvorführungen, bis hin zu Ausstellungen namhafter Hersteller rund um das Thema Biker-Kleidung und -zubehör, alles abgerundet durch Live-Musik, ist für das Biker-Herz alles geboten.

Dorferneuerung

Im Jahr 2009 hat der Markt Ortenburg die Möglichkeit in einer seiner Ortschaften eine Dorferneuerung durchführen zu lassen. Die finanziellen Mittel stammen vom Amt für Ländliche Entwicklung in Landau. Im Gespräch für die Erneuerung sind Holzkirchen und Unteriglbach, noch vor der Sommerpause will der Marktrat entscheiden, welche der beiden Ortschaften den Zuschlag erhält. Entscheiden für den Marktrat wird sein, welche Ortschaft für die Dorferneuerung mehr Interesse und Engagement zeigt.

Holzkirchen

In einer ersten Bürgerversammlung wurden die Bewohner von Holzkirchen zusammengerufen, um zuammen mit dem Referenten Josef Reidl vom Amt für Ländliche Entwicklung über die Zukunft ihrer Ortschaft zu diskutieren. Der Funke der Begeisterung sprang sofort über, es bildeten sich bereits die ersten Arbeitskreise zum Thema Dorferneuerung.

Das alte Schulhaus in Unteriglbach. - Foto: Scholz

Unteriglbach

In einer zweiten Bürgerversammlung wurden anschließend auch die Bewohner Unteriglbachs zu einer Diskussionsrunde eingeladen. Anders als in Holzkirchen reagierten die Unteriglbacher eher kontrovers auf die Ausführungen Josef Reidls. Die einen pochten darauf die einmalige Chance wahrzunehmen, die anderen äußerten Skeptik und Bedenken.

Der ehemalige Bauamtsleiter der Marktgemeinde, Reinhard Diewald, gehörte zu den Befürwortern und hatte auch schon ein eigenes Konzept ausgearbeitet. Anhand einer Luftbildkarte zeigt er die Problembezirke der Ortschaft auf und brachte zugleich eigene Lösungsvorschläge. Diewald sprach von einer fehlgelaufenen Dorfentwicklung. Während in den vergangenen Jahren am Ortsrand schmucke Einfamilienhaussiedlungen entstanden seien und das Dorf förmlich "explodierte", sei die Gestaltung der Dorfmitte jahrzehntelang vernachlässig worden. Die Folge: Das Ortsbild entlang der Durchfahrtsstraße lässt erheblich zu wünschen übrig. Gleich mehrere unbewohnte oder verfallene Gebäude verschandeln das Ortsbild und es fehlt vor allem an einem zentralen Platz als Mittelpunkt des Dorflebens. Das Umfeld von Kirche und altem Schulhaus nennte Diewald eine Katastrophe. Auch auf die Verkehrssituation ging der frühere Bauamtsleiter ein und zeigte Möglichkeiten zur Verkehrsberuhigung auf. Zuletzt machte er noch Vorschläge für die Gestaltung des Areals um den Stausee. Auch in Unteriglbach ist schon ein weiteres Treffen der Dorfgemeinschaft angesetzt.

Verkehr

Eisenbahn

Einst war Ortenburg mit der Wolfachtalbahn an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Der Bahnhof befand sich nahe dem Ortszentrum. Die BayWa hatte ebenfalls einen Gleisanschluss.

Buslinien

Haltestelle am Marktplatz (Richtung Vilshofen, Passau)

In Ortenburg gibt es mehrere Bushaltestellen. Zentral liegen die Haltestellen Ortenburg-Marktplatz und Ortenburg-Bahnhof. Diese sind mit insgesamt acht Linien erschlossen:

Bildung und Erziehung

Vereine

Personen

Literatur

Städte und Gemeinden im Landkreis Passau
Wappen Landkreis Passau.png

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