Niederbayern
Aus RegioWiki
Niederbayern ist einer der sieben Regierungsbezirke in Bayern und zugleich ein Bezirk. Es liegt im Osten des Freistaats und grenzt im Norden an die Oberpfalz, im Nordosten an Böhmen, im Südosten an Oberösterreich (Innviertel) und im Südwesten an Oberbayern. Der Begriff „Niederbayern“ erschien zum ersten Mal im Jahre 1255 bei der bayerischen Landesteilung. Ursprünglich war Niederbayern wesentlich größer: Damals gehörten auch der Chiemgau und die Gegend von Bad Reichenhall dazu.
Verwaltungssitz des Bezirks und gleichzeitig Regierungssitz des Regierungsbezirks ist Landshut. Bis 1954 wurden die Regierungsbezirke Niederbayern und Oberpfalz gemeinsam verwaltet.
Inhaltsverzeichnis |
Geografie
Niederbayern hat heute eine Fläche von 10.329,94 km² und insgesamt 1.191.910 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2008). Die Bevölkerungsdichte liegt bei 115,38 Einwohnern pro km².
Gliederung
Der Regierungsbezirk Niederbayern umfasst drei kreisfreie Städte und neun Landkreise:
- Landkreise
Wappen
Wappenbeschreibung: Gespalten; vorne die bayerischen Rauten, hinten in Silber ein aufgerichteter roter Panther.
Die weißen und blauen Rauten versinnbilden die historische Vergangenheit des weitaus größten Teils des heutigen Niederbayern unter der Herrschaft der Wittelsbacher seit dem 13. Jahrhundert und standen auch immer im Wappen der früheren Herzöge von Niederbayern-Landshut. Wie im bayerischen Staatswappen von 1950 weisen sie auf ganz Altbayern hin; im Bezirkswappen kennzeichnen sie darüber hinaus den Inhaber als Gebietskörperschaft im Freistaat Bayern.
Die Bezirksfahne zeigt die Streifen Rot und Weiß mit aufgelegtem Wappen.
Geschichte
Gründung Niederbayerns
Niederbayern wurde 1255 „gegründet“. Nachdem Ludwig II. und Heinrich XIII., die Söhne Herzogs Ottos II., Bayern zwei Jahre regierten, teilten sie es in Ober- und Niederbayern. Der jüngere Bruder Heinrich XIII. übernahm das Unterland mit Landshut als bewährter Hauptstadt. Das Teilherzogtum reichte von Reichenhall im Süden über Isengau bis München. Im Westen schloss es das alte Wittelbachische Land ein. Es zog sich von Kelheim bis Furth im Wald. Im Osten grenzte es an das Gebiet des Bischofs von Passau. Im Südosten reichte es über den Inn hinaus bis in die Gegend des Mond- und Attersees.
Heinrich XIII. suchte die Bindung zum Osten. So folgten in den kommenden Jahren gleichsam Bündnisse wie Auseinandersetzungen mit den Ungarn, Böhmen und den Österreichern. Unter Ludwig dem Bayern kam es 1340 zu einer Wiedervereinigung von Ober- und Niederbayern. Unter den Söhnen Ludwigs des Bayern wurde 1349 das Land dreigeteilt in Oberbayern-München, Niederbayern-Landshut und Niederbayern-Straubing-Holland. 1363 wurde das Land noch einmal vereinigt, 1392 wurde es viergeteilt in Bayern-München, Bayern-Ingolstadt und Bayern-Landshut, das Herzogtum Bayern-Straubing-Holland bestand weiter.
Im spanischen Erbfolgekrieg im Jahr 1704 besetzten die Österreicher Niederbayern. Im Bayerischen Erbfolgekrieg verlor Niederbayern 1779 das Innviertel im Frieden von Teschen an Oberösterreich. Mit Max III. Joseph war die altbayerische Linie der Wittelsbacher ausgestorben. Neben dem designierten Erben Karl Theodor von Pfalz-Neuburg-Sulzbach erhob auch Österreich Anspruch auf niederbayerische Gebiete.
Siehe Hauptartikel: Herzogtum Niederbayern, Herzogtum Bayern-Landshut und Herzogtum Bayern-Straubing
Säkularisation & Industrialisierung
1803 stand im Zeichen der Säkularisation: In Niederbayern wurden 55 Klöster und Stifte aufgelöst. Im Jahr 1826 wurde die Universität von Landshut nach München verlegt.
Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es Ansätze zur Industrialisierung Niederbayerns. Vor allem im Bayerischen Wald war eine Landflucht zu beobachten. Zunehmende Mobilität brachte unter anderem der Bau von Eisenbahnstrecken, unter anderem von München nach Landshut und von Plattling nach Bayerisch Eisenstein.
Nachkriegszeit
Nachdem die zwei Weltkriege ihre Opfer gefordert hatten, wurde 1946 die Zahnradfabrik Passau gegründet. Sie ist noch immer einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Region. 1966 wurde in Dingolfing das weltweit größte BMW-Werk errichtet. 1970 wurde der Nationalpark Bayerischer Wald eingerichtet. 1952 enstand eine kulturell wichtige Einrichtung: Das Südostbayerische Städtetheater Landshut-Passau-Straubing wurde gegründet, das 2007 in Landestheater Niederbayern umbenannt wurde.
Durch die Landkreisreform vom 1. Juli 1972 enstanden aus den bisher 22 Landkreisen und bisher vier kreisfreien Städten neun Landkreise und drei kreisfreie Städte. Heute gibt es im Regierungsbezirk insgesamt 245 Gemeinden.
1989 fiel der Eiserne Vorhang, Niederbayern rückte damit wieder in die Mitte Europas.
Staatlicher und kommunaler Aufbau
Die Bezirksregierung ist zwischen den Bayerischen Ministerien als oberste Staatsbehörden und den niederbayerischen kreisfreien Städten bzw. Landratsämtern als unterste Staatsbehörden die staatliche Mittelbehörde. Die Bezirksregierung ist eine von der Bezirksverwaltung unabhängige Behörde. Als „dritte kommunale Ebene“ von unten, also nach den Gemeinden und den Landkreisen, ist der Bezirk als Zusammenschluss von mehreren Landkreisen eine bayerische Besonderheit. Die kommunale Selbstverwaltung gibt den bayerischen Bürgern die Möglichkeit, auf Entscheidungen in ihrer engeren Heimat, in den Gemeinden, Landkreisen und Bezirken, Einfluss zu nehmen.
Der Bezirk Niederbayern hat auf der dritten kommunalen Ebene die Aufgabe, in seinem Bereich bestimmte Leistungen und Hilfen zu erbringen, wenn sie die örtlich begrenzte Zuständigkeit oder das Leistungsvermögen der Gemeinden und der Landkreise übersteigen. Der Bezirk schafft die Einrichtungen, die für das soziale, wirtschaftliche und kulturelle Wohl seiner Einwohner nötig sind und berücksichtigt auch die Belange des Natur- und Umweltschutzes.
Politik & Verwaltung
Bezirk
Der Bezirk wird vom Bezirkstag verwaltet. Das Gremium wird alle fünf Jahre zeitgleich mit dem Bayerischen Landtag gewählt. Derzeitiger Bezirkstagspräsident ist Manfred Hölzlein (CSU) seit 1998, sein Stellvertreter ist Anton Jahrstorfer (CSU).
Siehe Hauptartikel: Bezirkstag
Regierungsbezirk
Dem Regierungsbezirk Niederbayern standen seit 1830 bis heute dreißig Regierungspräsidenten vor.
Siehe: Liste der Regierungspräsidenten von Niederbayern
Bildung & Forschung
In Niederbayern existieren insgesamt drei Hochschulen:
- Universität Passau (gegr. 1978)
- Hochschule Deggendorf (gegr. 1994)
- Hochschule Landshut (gegr. 1978)
Nachdem im Jahr 1800 die Universität Ingolstadt nach Landshut verlagert wurde, existierte bis 1826 bereits eine Universität in Niederbayern. Diese wurde anschließend nach München verlagert und besteht dort bis heute unter dem Namen Ludwig-Maximilians-Universität weiter.
Gesundheitswesen
Wirtschaft
Die Branchenschwerpunkte in Niederbayern liegen im Automobil- und Maschinenbau, Tourismus, Hoch- und Tiefbau, Elektrotechnik und Informations-Technologie sowie die Glasbranche im Bayerischen Wald. Große Bedeutung haben das weltgrößte BMW-Werk in Dingolfing sowie die Zahnradfabrik in Passau. Sie sind die größten Arbeitgeber in der Region.
Infrakstruktur
Niederbayern liegt zentral in der erweiterten Europäischen Union. Die Region ist für Transport und Verkehr nach allen Richtungen in Europa hin gut vernetzt. Es gibt Eisenbahn- und Straßenverbindungen von und nach Tschechien, seit der Grenzöffnung sind sie ausgebaut. Hauptverkehrswege mit dem Auto sind die Autobahn Nürnberg-Regensburg-Passau-Linz (A 3), die Autobahn München-Deggendorf-Passau (A 92), die teilweise noch unvollendete Autobahn Passau-Simbach-München (A 94) und eine Vielzahl gut ausgebauter Zubringer- und Bundesstraßen.
Kunst & Kultur
Niederbayern hat ein großes kulturelles Angebot. Es reicht von festen Einrichtungen wie Theatern bis hin zu Festivals oder fahrenden Bühnen, wie dem Kulturmobil.
Zu den renommiertesten Theatern zählen das Landestheater Niederbayern und das Theater an der Rott in Eggenfelden.
Wichtige Kulturveranstaltungen sind beispielsweise: die Europäischen Wochen in Passau, die Landshuter Hochzeit oder das Festival Jazz an der Donau in Straubing.
Tourismus
Die Tourismuswirtschaft und das Gastgewerbe sind tragende Säulen der niederbayerischen Wirtschaft. Der Tourismus ist geprägt von so bekannten Regionen wie dem Bäderdreieck und dem Bayerischen Wald. Das Tourismusangebot ist vielfältig. Unter anderem die Berge Lusen, Arber und Rachel bieten Möglichkeiten zum Wandern und zum Skifahren. Die Donauschiffahrt ist ein Touristenmagnet für Passau. Mit dem Haus am Strom bei Jochenstein wird die Regierung dem Umeltgedanken und der Nachhaltigkeit im Bildungssektor mit hohem Freizeitwert gerecht.
Im Feinschmecker-Guide für Deutschland finden sich auch neun ausgezeichnete Restaurants für Niederbayern.
Berühmte Persönlichkeiten (Auswahl)
- Joseph von Fraunhofer, Optiker und Physiker, Namensgeber für die „Fraunhofer-Gesellschaft“ (Straubing)
- Sigi Zimmerschied, Kabarettist (Passau)
- Bruno Jonas, Kabarettist (Passau)
- Amelie Gräfin von Montgelas, Benimmgräfin und direkter Nachfahre von Maximilian Graf von Montgelas (Landshut)
- Erwin Huber, CSU-Politiker und Bayerischer Finanzminister (Freyung)
- Heinrich Schmidhuber, CSU-Politiker und ehemaliger DFB-Schatzmeister (Freyung)
- Günther Kolbe, Jurist (Osterhofen)
Literatur
- Gerald Huber: Kleine Geschichte Niederbayerns. Regensburg, 2007
