Mitterskirchen

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Mitterskirchen
Das Wappen von Mitterskirchen


Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Rottal-Inn
Höhe: 433 m
Fläche: 24,77 km²
Einwohner: 2.087 (30. Juni 2011)
Postleitzahl: 84335
Vorwahl: 08725
Kfz-Kennzeichen: PAN
Website: www.mitterskirchen.de
Erster Bürgermeister: Georg Hölzl (CSU/Heimatblock)

Mitterskirchen ist eine Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn.

Die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer

Inhaltsverzeichnis

Lage

Mitterskirchen liegt an der Gera in einem kleinen, sanften Seitental der Rott an der Grenze zu Oberbayern. Der Ort befindet sich direkt an der B 588 etwa 7 km südwestlich von Eggenfelden, 18 km nördlich von Altötting, 23 km nordöstlich von Mühldorf sowie 22 km südwestlich der Kreisstadt Pfarrkirchen. Die nächste Bahnstation an der Strecke Passau - Mühldorf ist in Eggenfelden.

Ortsteile

Ortsteile der Gemeinde sind Atzberg, Bam, Bergham, Biedersberg, Büchel, Dachsberg, Eggersbach, Ermannsreit, Fraundorf, Haargassen, Hammersbach, Hirtl, Hofau, Holzham, Hummelsberg, Kastengrub, Kirchholzen, Krandsberg, Lederhub, Leitenbach, Lidorf, Mayrhof, Mitterschweib, Mitterskirchen, Oberham, Oberschweib, Oberwendling, Osten, Poppenberg, Rotheneich, Sauersberg, Siebengattern, Thal, Unterschweib, Unterwendling, Winiham und Zankl.

Geschichte

Ortsnamenfindung

Es ist anzunehmen, dass sich der Name Mitterskirchen daraus ergeben hat, dass es sich dabei um einen Kirchenort handelte, der zwischen zwei weiteren Kirchenorten im Tiefenstädtental lag. Die ersten Siedlungstätigkeiten finden sich dort mit großer Wahrscheinlichkeit bereits im 8. Jahrhundert.

Aus der Ortsgeschichte

Im 8. und 9. Jahrhundert gehörte das Tiefstättental (Geratal) zum Erzbistum Salzburg. Der aus Franken stammende Bischof Arn hatte, um sein Herrschaftsgebiet gegenüber Karl dem Großen abzusichern, 790 die Güteraufschreibung (Notitia Arnonis) in Auftrag gegeben. Sie lautet: „Ad Diupstadum ecclesiae II cum mansis III“ (zu Tiefstatt zwei Kirchen mit drei Hufen). Aus dem Namen Mitterskirchen ist anzunehmen, dass sich „in Mitten“ zweier Kirchengemeinden im Tiefstättental (Diupstadum) der Ort Mitterskirchen entwickelte.

Bereits 903 wird Frehhindorf unter der Verwaltung eines „Gumpoldi“ in einer Öttinger Urkunde erwähnt. Gumpold dürfte der spätere Passauer Bischof (915-930) gewesen sein. Kaiser Heinrich II. schenkte am wähnt. 1156 trägt eine Urkunde den Namen „Miterenchirchen“.

Aus den Urkunden Kaiser Heinrichs II ist zu entnehmen, dass der Isengau und die „Tiufstat“ unter der Verwaltung des Grafen „Geroldi“ stand. Der Name des Geraflusses könnte sich vielleicht von einer Abkürzung des Namens „Geroldi“, des einflussreichen Adeligen des 11. Jh . ableiten lassen. Das Tiefstättental wurde zum Geratal .

Die Hofmark Mitterskirchen

Mitterskirchen hatte 1560 und 1737 die rechtliche Stellung einer unbeschlossenen Hofmark. 1160 gibt ein „Roudegerus aus Mitterenchirchen“ einen Besitz in Frotzenberg an das Kloster Baumburg.

Das Geschlecht der Ortenburger

Die Geschlechterfolge der Mitterskirchner

Bergham

Beschlossene Hofmark Hofau von 1560-1737

Dachsberg

„Dahsperch" wird in einer Urkunde als Besitz des Hochstifts Freising 1230-1232 erwähnt. 1435 ist ein Albrecht Dietrychinger zu Niederdachsberg 15 erwähnt. Wulzinger behauptet, 1449 seien die Dachsberger Salzburgische Insassen gewesen. „Heinrich de Dachsberg“ habe das Amt des Domdechanten ausgeübt. Hans und Wilhelm von Dachsberg hätten sich am 5. und 10. Turnier beteiligt. Wolfgang Dietrichinger zu Dachsberg ist in den Bayerischen Landtafeln (1470- 1500) eingetragen. Als Vasall und ständiger Begleiter des Grafen Pabo von Leonberg wird ein Gerardus de „Dachberch“ genannt. 1780 ist nach dem Tod des Georg Cajetan zu Gern ein Erbvergleich seiner Tochter Maria Anna, Frein von Ingerlheim, mit der Schwester Maria Theresia, verehelichte Reichsgräfin von Dachsberg, beurkundet.

Kriegsnöte

Eine rauhe Soldestka raubte und mordete während des Dreißigjährigen Krieges auch in Mitterskirchen. Höfe gingen in Flammen auf.

Während des Spanischen Erbfolgekrieges waren im Jahre 1705 etwa 25.000 Bayern zum Kriegsdienst durch die österreichischen Besatzungsmacht ausgehoben worden. Die Bauern aus dem Rottal wehrten sich. Es kam zur Aidenbacher Bauernschlacht. Über die Unruhen berichten die Chroniken in Hirschhorn und Hebertsfelden. Die Mitterskirchner Bauern hatten in dieser Zeit auch unter den ungerechten Abgaben und Einquartierungen der Besatzungstruppen zu leiden. Sicher waren damals auch Mitterskirchner Bauernburschen unter den vielen Opfern des Aufstandes im Rottal.

Aus der Kirchengeschichte

Eine sogenannte Eigenkirche war vermutlich der erste Kirchenbau in Mitterskirchen. Bischof Friedrich de Mitterskirchen dürfte sie sicher gefördert haben. Bartholomäus Spirkner schreibt, die Schlosskapelle aus der Zeit von 1156 - 1354 der Edlen de Mitterskirchen sei 1345 in eine größere Kirche umgebaut worden. Nachdem im Laufe der Jahre die Lehensbesitzer wechselten, wurde Mitterskirchen der Urpfarrei Hirschhorn als Filiale zugeteilt. Im 16. Jahrhundert renovierte man das Gotteshaus. Die Jahreszahl 1517 aus gebranntem Ziegel über dem Südportal lässt den Schluss zu, dass die Kirche damals fertig gestellt worden war. Im Eingangsbereich der Kirche befindet sich die Grabplatte des letzten Edlen von Mitterskirchen, Heimeran von Haunsperg und seiner Frau aus dem 16. Jahrhundert. Teile des historischen Wappens fanden ihren Niederschlag im modernen Wappen der Gemeinde Mitterskirchen. Den Status einer Expositur von Hirschhorn hatte Mitterskirchen seit 1695.

Expositursitz war früher in Kranzberg auf dem „Heimatgütl“ (heute Hof: Lindinger – Obermaier). Eine „Kirche“ in Leitenbach soll abgebrochen worden sein. Die Steine seien für den Bau der Schule verwendet worden, behauptet Spirkner. 1849 wurde der Kirchturm erneuert. Am 2. August 1897 wurde Mitterskirchen selbständige Pfarrei. 1910 verlängerte man das Kirchenschiff. Die ursprünglich neugotische Einrichtung der Pfarrkirche ersetzte man durch neubarocke Altäre.

Die politische Gemeinde entsteht

Seit 1799 wurde Bayern durch den Minister Graf Montgelas reformiert. Am 1. Oktober 1808 setzte König Maximillian I. Josef von Bayern seine Unterschrift unter die erste Verfassung Bayerns. Gemäß der Instruktion vom 13. Mai 1808 war das Landgericht Eggenfelden bereits 1808/1810 in 41 Steuerdistrikte und 5 Sectionen aufgeteilt worden. Die Hofmark Mitterskirchen wurde zum Mittelpunkt des gleichnamigen Steuerdistriktes der bisherigen Obmannschaft.

Der Minister Graf Mongelas trieb die Reform weiter voran. Mit der Entstehung des neuen bayerischen Staatsgebietes wurden zwischen 1799 und 1815 die Gemeinden neu gebildet. Die Gemeinde Mitterskirchen entstand aus der ehemaligen Obmannschaft und dem Steuerdistrikt Mitterskirchen.

Not und Elend während der beiden Weltkriege

38 Männer waren im 1. Weltkrieg und 59 Mitterskirchner im 2. Weltkrieg gefallen. Am 1. Mai 1945 wurde Mitterskirchen unter Beschuss genommen. Amerikanische Panzer rückten aus der Richtung von Hofau und Eggenfelden gegen Mitterskirchen vor. Vermutlich war den Amerikanern bekannt, dass sich eine SS-Gruppe hier aufgehalten hatte. Die SS-Leute waren bereits abgezogen. Auf dem Altmannhof war eine Art Pferdelazarett eingerichtet worden. Um 13.00 Uhr begannen die Amerikaner zu feuern. Die Panzergranaten setzten den Altmannhof, das Huberanwesen und das Leipoldgebäude in Brand. Mehrmals wurden auch der Kirchturm und die Wirtsgebäude (Rothneicher) getroffen. Bei ihrer Fahrt über eine hölzerne Gerabrücke stürzte diese ein. Der Panzer blieb mit der Rückfront im Bach stecken. Wegen Sabotage wollten die Amerikaner den Mühlenbesitzer Huber zu Verantwortung ziehen. Es drohte ihm die Erschießung. Da setzten sich zwei polnische Fremdarbeiter und ein Franzose energisch für den Müller ein, der sie immer gut behandelt hatte, und retteten ihm so das Leben. Flüchtlinge und Vertriebene waren froh, in den Bauerngehöften ein Dach über dem Kopf gefunden zu haben. Manche fanden in Mitterskirchen ihre neue Heimat, waren bei der Feldarbeit behilflich. Sogar aus München kamen Stadtbewohner, um bei den Bauern einen Laib Brot oder Fleisch zu „hamstern“. Der Tauschhandel blühte.

Gemeindewappen

Das Gemeindewappen, das seit 1976 geführt wird, integriert mit dem Gegenzinnenbalken und den gekerbten Stäben das Familienwappen der 1660 in den Grafenstand erhobenen Herren von Haunsberg (Haunsperg), das in einer plastischen Darstellung in der Pfarrkirche überliefert ist. Damit wird ein Bezug zur Geschichte der Gemeinde hergestellt, denn die Haunsberger prägten in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts als Inhaber der Hofmark Mitterskirchen das Leben in der Gemeinde. Der silberne Wellenbalken verweist auf die geografische Lage des Gemeindegebiets im weiten Talgrund der Gera.

Gemeindegebietsreform

Trotz energischer Proteste war am 1. Mai 1978 die Gemeinde Mitterskirchen in die Verwaltungsgemeinschaft Wurmannsquick eingegliedert worden. Die Bürgermeister Franz Seidl und Martin Eder stellten mit den Gemeinderäten und Mitterskirchner Aktionsgruppen immer wieder Anträge an die Bayerische Staatsregierung, um wieder unabhängige Gemeinde zu werden. Mit einem großen Fest feierte man die am 1. Januar 1994 erhaltene Selbständigkeit der Gemeinde.

Europaauszeichnungen

Mitterskirchen erhielt wegen der langjährigen Partnerschaft mit der oberösterreichischen Marktgemeinde Mitterkirchen im Machland und aufgrund der internationalen Kontakte der Schule das Europadiplom und am 17. Juni 1994 die Europafahne. Der Europaabgeordnete Dr. Günther Müller hatte sich für Mitterskirchen eingesetzt.

Das Europaratsmitglied Dr. Günther Müller und Ehrensenator Dr. Karl Mitterdorfer übergaben Bürgermeister Georg Hölzl die Europafahne.

Internationale Kontakte pflegen Gemeinde und Schule auch in der Gegenwart. Im November 2001 fand eine Wochenkonferenz von Lehrern aus Finnland, Italien, Griechenland und Spanien im Rahmen des Comeniusprojektes der EU in der neugebauten Schule statt.

2002 und 2003 erfolgte ein Schüleraustausch mit der tschechischen Schule Kamenice.

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung der beiden Gemeinden Mitterskirchen in Bayern und Mitterkirchen in Oberösterreich feierte man am 2. August 2003 das 25-jährige Partnerschaftjubiläum.

Aufstrebende Gemeinde

Mitterskirchen, an der B 588 zwischen Eggenfelden und Neuötting gelegen, erlebte in den letzten Jahren eine positive aufstrebende Entwicklung.

Die Einwohnerzahl stieg von 1651 im Jahre 1981 auf 2089 im Jahre 2008.

Durch die rege Siedlungstätigkeit hatte sich der Ortskern bereits in den Nachkriegsjahren durch die Rothneichnersiedlung in Richtung Atzberg entfaltet. 1990 wurde die Geradfeldsiedlung und 2001 das Siedlungsgebiet „Am Sonnenhang“ erschlossen.

Mit der zunehmenden Siedlungstätigkeit musste auch die Infrastruktur der Gemeinde gesteigert werden. Heute werden der Ortskern mit den Ortsteilen Atzberg, Fraundorf, sowie mehrere Ortsteile im Außenbereich durch eine hochtechnische Anlage mit Trinkwasser versorgt. 1997 wurde eine neue Trinkwasseranlage mit einem Speichervermögen von 600 Kubikmetern eingeweiht. 2003 schloss die Gemeinde Mitterskirchen auch die Ortsteile Bam, Schweib, Büchl und Lidorf an die Zentralversorgung an. Der 90 m tiefe Brunnen fördert Trinkwasser in Mineralwasserqualität. Die biologische Kläranlage, für die 2500 Einwohner ausgelegt ist, entsorgt in einem weiten Kanalnetz Mitterskirchen mit seinen Siedlungsgebieten und den Außenorten Atzberg, Fraundorf, Leitenbach und Krandsberg vom Abwasser. 2004 wird auch Hofau an die zentrale Kläranlage angeschlossen. Die meisten Gemeindestraßen sind geteert. Mit einem LkW, dem Unimog und einem Mehrzweckfahrzeug und technischem Arbeitsgerät halten die 3 Arbeiter des Bauhofes die Straßen und Anlagen der Gemeinde im Sommer und Winter in Ordnung.

Am 1. November 2003 konnte die neue Friedhofsanlage eingeweiht werden. Die Gemeindeverwaltung arbeitet mit einer modernen EDV-Anlage.

Politik

Bürgermeister

Gemeinderat

Der Gemeinderat hat 14 Mitglieder (+ 1. Bürgermeister) und folgende Sitzverteilung:

Sehenswürdigkeiten

Kultur

Die Dorfbühne Mitterskirchen wurde 1994 gegründet und pflegt niveauvolles Volkstheater.

Bildung und Erziehung

1988 hatte Mitterskirchen ein neues Schulhaus für die Grund- und Hauptschule errichtet. Nach der Erweiterung der Schulanlage 2001 wurde Mitterskirchen zu einem attraktiven Schulort.

Vereine

Freizeit

Das Freischwimmbad, die Stockschützenhalle, die Turnhalle und das Sportstadion ermöglichen der Jugend eine vielfältige Ausübung der Sportarten. Auf die Europameisterschaftstitel der Jugendlichen im Stockschießen sind die Mitterskirchner besonders stolz: 1993 (Jürgen Rotahler: Gold), 1995 (Jürgen Rothaler, Reinhard Lazarus, Stefan Reichenberger, Franz Hahn, Gerhard Hahn und Franz Thaler: Gold und Silber), 1996 (Rothaler: Gold), 1997 Bronze. Die Damenmannschaft erreichte 2004 den Aufstieg in die Bundesliga der Stockschützen. Die Fußballnationalmannschaft der Seychellen nutzte 2003 das neue Mitterskirchner Stadion für ein Freundschaftsspiel. Die harmonische Zusammenarbeit der verschiedenen Vereine und der Gemeinschaftsgeist der Bevölkerung prägen das rege Vereinsleben in der Gemeinde Mitterskirchen.


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