Kirche St. Philipp und Jakobus (Altötting)
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Die Kirche St. Philipp und Jakobus ist die Stiftspfarrkirche der Pfarrei Altötting – St. Philipp und Jakobus und damit die Pfarrkirche der ersten Pfarrei in Altötting.
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Geschichte
Die Wallfahrtshistorie der Wallfahrt Altötting geht bis in das Jahr 1489 zurück. Nachdem immer mehr Pilger auf der Suche nach dem Zuspruch der Schwarzen Madonna waren und die Kirchen dem Andrang der Gläubigen räumlich nicht mehr gewachsen waren, veranlasste der damalige Stiftspropst Johannes Mayr den Um- bzw. Ausbau der Kirche. Sie wurde als spätgotische Hallenkirche erbaut in den Jahren 1499 bis 1511 von Hans Perger aus Burghausen. Der damalige Bischof vom Chiemsee und Weihbischof von Salzburg, Berthold Pürstinger, weihte den Hoch- und die neun Nebenaltäre am 28. und 29. September 1511 nach zwölfjähriger Umbauphase ein. Das Gotteshaus wurde somit nach Norden um zwei und nach Osten um 15 Meter vergrößert.
Anlässlich des 500. Jubiläums des Weihtages im Jahr 2011 widmete die Pfarrei der Stiftskirche ein ganzes Festjahr mit verschiedenen Veranstaltungen und Feierlichkeiten.
Architektur
Die räumlichen Ausmaße der Kirche betragen seit dem Umbau 18 auf 52 Meter. Neben der Größe veränderte sich aber vor allem die Gestalt der der Wallfahrtskirche. In der zwölfjährigen Bauzeit unter den Baumeistern Jörg Perger und Ulrich Häntler verwandelte sich die ehemals romanische Kirche in eine gotische. Das Gebäude wird deshalb oft als letzte spätgotische Hallenkirche Süddeutschlands bezeichnet. Bauliche Merkmale dafür finden sich in den beiden Türmen wieder. Der Nordturm wurde auf 58 Meter Höhe aufgestockt, der Südturm auf 59 Meter. Durch den Umbau wuchs das Fassungsvermögen auf 1.000 Plätze an, darunter 500 Sitzplätze. 400 Jahre lang war die Stiftspfarrkirche Hl. Philipp und Jakobus deshalb die wichtigste Wallfahrtskirche in Altötting, bis sie 1912 von der Basilika St. Anna abgelöst wurde.
Auf den Spitzen der beiden Kirchtürme thronen zwei vergoldete Hähne. Das Tier steht im Christentum für die Rolle des Verkünders. Sein Ruf prophezeit den nahenden Tag, sowie das Ende von Sünde und Tod. Eine Besonderheit der Stiftskirche ist der nördliche Hahn, der seit einem Blitzschlag geschwärzt ist.
Ausstattung
Die Ausstattung der Kirche ist überwiegend klassizistisch. Im Gotteshaus befinden sich je ein romanischer und spätgotischer Taufstein, eine hohe Standuhr mit dem „Tod z’Eding“, sowie zwei spätgotische geschnitzte Türen. Ein weiteres Kunstwerk ist das 3,17 Meter hohe und 2,47 Meter breite Kruzifix, das von Hans Leinberger geschaffen wurde. Das älteste Relikt der Stiftskirche ist ein romanisches Taufbecken. Obwohl sich die genaue Datierung als schwierig erweist, lässt der Schnitt des ins Becken eingearbeiteten Blätterreliefs einen Entstehungszeitraum zwischen 1228 und 1245 vermuten.
Das Chorgestühl aus Eichenholz sollte ursprünglich auf Grund seiner altmodischen Optik 1791 verbrannt werden. Anton Maria Kobolt verhinderte dies jedoch und veranlasste den Umbau des Gestühls zu einer Stiege für das propsteiliche Landhaus in der Neuöttinger Straße. Nachdem das Kunstwerk etliche Jahre später bei einem Münchner Kunsthändler dokumentiert wurde, erwarb es 1962 das Bayerische Nationalmuseum, wo es inzwischen im Depot eingelagert wurde. Auffallende Ähnlichkeiten gibt es zum Landshuter Chorgestühl.
Im Süden liegt der spätgotische Kreuzgang mit vier Kapellen: St. Sebastian, Begräbnisstätte der Stiftskanoniker; St. Peter u. Paul, mit Grab des Generals Johann t’Serclaes von Tilly (1653 beigesetzt); „Mater dolorosa“, Doppelkapelle um 1500, im Erdgeschoß ehemaliger Karner, im Obergeschoss Kapelle; „Chrlstus in der Rast“, Sühnekapelle für die von der SS am 28. April 1945 erschossenen Blutzeugen. Nördlich des Chores die Schatzkammer mit wertvollen Votivgaben aus Gotik und Barock (Museen und Schatzkammern).
Das Goldene Rössl ist ein kleiner Marienalter aus Gold und Email. Am 6. Oktober 1921 versuchten zwei Berliner Diebe das Kunstwerk über Nacht zu stehlen. Beim Eindringen in die Schatzkammer lösten die beiden einen Alarm aus. Während eines Schusswechsels mit der Polizei wurde einer der Diebe tödlich verletzt und der zweite zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Goldene Rössl befindet sich jetzt im 2009 eröffneten Haus Papst Benedikt XVI..
Grabstätten
Allgemein
In und um die Kirche herum finden eine Vielzahl von Würdenträgern ihre letzte Ruhestätte. Die Gräber und vor allem die Grabsteine sind daher meist prunkvoll verziert, mit einer Ausnahme: Der Grabstein des Ignaz Mayr aus „Beisenhausen“. Die Schlichtheit des Steines begründet sich durch die Person des Leichnams. 1649 starb das erst fünfjährige Flüchtlingskind das wegen des Dreißigjährigen Krieges nach Altötting kam. Auf seinem Grabstein findet sich folgende Inschrift: „Ignatius Mayr von Beisnhausn, ligt begraben unter diser Clausn. Kam hierher wegen Feindts gefahr, starb seines Alters Fünf Viertel Jahr. (…) Sein Vatter stellt alsdan herbey, diß Staindlein clain aus lieb und threu, danckhet dem Herrn in Ebigkheit, sein Nam der sey gebenedeit, daß Er daß Lieb unschuldig Khündt, hinweckh genomen von der Stundt, und hat Im für das Zeitliche Lebn, die Ebig Rhüe und Freidt gegeben, darinen es dan mit begürdt, für Vatter und Müetter bittn würdt.“
Tilly-Grabstätte
Das Anagramm über der Grabstätte des Feldherren Johann t’Serclaes von Tilly war lange Jahre ein Rätsel für die Besucher der Stiftskirche. In der Tilly-Kapelle steht unter dem Hinweis, dass nun ein Anagramm folgt die lateinische Inschrift: Uti sol in terris manes. (So wie die Sonne, wirst du auf Erden bleiben.) Durch eine Umstellung der Anfangsbuchstaben bekommt man die neue Bedeutung: Soluti terris inmanes, die mit Die von der Erde Erlösten sind groß übersetzt werden kann. Laut Wolfgang Thorwirt, der das Rätsel um das Anagramm gelöst hat, bezieht sich die Aussage auf die Seelen von Verstorbenen, die solange sie in den Körpern verweilen noch klein sind. Erst durch die Erlösung werden sie groß.
Galerie
Siehe auch
Literatur
- Franz Xaver Hoedl: Altötting. Führer und Erinnerungsbüchlein für Altöttingpilger, Drittordensverlag Altötting, 1977
- PNP: Warten auf das Geleitwort des Heiligen Vaters. In: Passauer Neue Presse vom 25. September 2010 (S. 23)
- Christoph Kleiner: Die unbekannten Seiten einer bekannten Kirche. In: Alt-Neuöttinger Anzeiger vom 28. September 2011 (S. 20 f.)
- Stephan Hölzwimmer: Wahrzeichen von Altötting – seit 500 Jahren In: Passauer Neue Presse vom 1. Oktober 2011 (S. 3)
