Kraftwerk Kachlet
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Das Kraftwerk Kachlet, auch Kachletkraftwerk oder Kachletwerk ist ein Stauwerk mit Doppelschleuse und Wasserkraftwerk in der Donau bei Flusskilometer 2234,2 oberhalb von Passau. Offiziell eröffnet wurde das Kraftwerk Kachlet am 1. Oktober 1927. Mit dem Jahresertrag aus den Wasserkraft - Turbinen werden rund 90 000 Durschnittshaushalte versorgt. Das Kraftwerk Kachlet wird von der Bayernwerk Wasserkraft AG betrieben. Sein unverwechselbares Aussehen bekommt das Kachlet von den 1,6 Millionen verbauten Klinkerziegel.
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Geschichte
Das Kachlet, ein mit Felsen und kleinen Inseln übersäter Donauabschnitt vor Passau, behinderte seit jeher den Schiffsverkehr. So entschied man sich, die fast 20 km lange Gefahrenstrecke zu überstauen. Dazu errichtete die 1921 gegründete Rhein-Main-Donau-AG von 1922 bis 1927 ein Kraftwerk mit Doppelschleuse. Dies war zugleich der erste Schritt zur Schaffung der Großschiffahrtsstraße Main-Donau-Kanal. Im September 1925 fuhren erstmals Schiffe durch die Schleuse. Offizielle Eröffnung war am 1. Oktober 1927. Nach der Fertigstellung nahmen einige Arbeiter, die am Kraftwerk Kachlet mitgebaut haben, das Angebot der Rhein-Main-Donau-AG an, ein weiteres Kraftwerk zu bauen. Dieses entstand in Schwörstadt am Oberrhein in Südbaden. Am 9. April 1933 landete auf dem Kachletstausee das Riesenflugboot Do X auf Grund technischer Probleme.
Technische Daten
Die Anlage staut den Wasserspiegel bis zu einer Höhe von 9,2 m über Niedrigstwasser auf. Dadurch wird eine Mindestfahrwassertiefe von 2,5 m gewährleistet. Das Stauwehr ist 175 m lang mit sechs Öffnungen von je 25 m Breite und doppelten Tafelschützen von 11,8 m Höhe. Beide Schleusenkammern sind 230 m lang und 24 m breit und können je 4 Schleppkähne und ein Zugschiff aufnehmen. Jede Schleusung benötigt 40.000 m³ Wasser. Der Mittelwasserabfluss beträgt 648 m³/sec, der höchste Wasserdurchlass 5000 m³/sec.
Der Stauraum vor dem Kraftwerk ist 11 km lang und mit Dämmen abgesichert. Das Gelände hinter den Dämmen wird von acht Pumpwerken entwässert. Das Krafthaus ist 144 m lang, 17 m breit und hat eine Höhe von 20,6 m. Die ursprünglichen Propellerturbinen wurden nach etwa 35 Jahren durch Kaplanlaufräder mit drehbaren Flügeln ersetzt. Die Schluckfähigkeit konnte so von 750 m³/sec auf 1070 m³/sec gesteigert werden. Die Ausbauleistung stieg so von 42.000 kW auf 52.000 kW und die Stromerzeugung pro Jahr von 260 Millionen kWh/a auf 327 Millionen kWh/a.
Es versorgt heute mit einer Leistung von 53,7 MW und einer durchschnittlichen Stromerzeugung von 319 Millionen kWh/a die Stadt Passau mit Energie.
Sanierung der Schleuse
Weit über 80 Millionen Euro investiert der Bund in den fünf Jahren von 2010 bis 2015 in die Schleuse Kachlet. Die Sperre der Donau im April 2010 nutzten Techniker, um die Steuerung zu verlegen. Der Kommandostand wird abgerissen und in ein Zentralgebäude integriert, das neu errichtet wird.
Am 10. Oktober 2011 erfolgte der Spatenstich für die Generalsanierung der Schleuse Kachlet. Seit 2007 liefen die Planungen, die Schleuse von Grund auf zu sanieren. Anfangs schätzte man die Kosten auf etwa 20 Millionen Euro für die Erneuerung der zwei etwa 230 Meter langen und 24 Meter breiten Kammern, nach genaueren Untersuchungen erhöhten sich die Kosten jedoch enorm auf 86 Millionen Euro.
Etwa fünf Jahre lang wird die Baumaßnahme dauern. In mehreren Abschnitten werden beide Schleusenkammern komplett erneuert, dazu die vier jeweils 100 Tonnen schweren Tore. Als erste Maßnahme wird die Mittelmauer zwischen den Kammern instandgesetzt. Dazu muss zunächst eines der jeweils 40 000 Kubikmeter Wasser führenden Becken geleert und mit etlichen Horizontal- und Felsankern gegen den Wasserdruck des anderen Beckens abgestützt werden. Erst dann können erforderliche Betonarbeiten an der Mittelmauer erfolgen, wobei eine 70 Zentimeter dicke alte Betonschicht abgetragen und durch eine neue, genauso starke Vorschalung ersetzt wird. Gleichzeitig wird neue Technik eingebaut und es werden sechs Schwimmpoller je Kammer errichtet. Alleine diese erste Baumaßnahme soll 18 Monate bis Frühjahr 2012 dauern. Schrittweise wird danach weitergearbeitet, wobei den Planern wichtig ist, dass keine Vollsperrung der Schleuse erfolgen darf. Der Schichtleiter Alfons Giermeier und seine sechs Mitarbeiter im Kommandostand fertigen normalerweise pro Tag bis zu 50 Schiffe ab - 365-mal im Jahr, 24 Stunden lang. Je nach Wasserstand dauert es 30 bis 40 Minuten, bis die 50.000 Kubikmeter Wasser in einer Kammer rund acht Meter steigen oder fallen. Das erfolgt im Wesentlichen durch ein neues Füllsystem mit veränderten Kanälen. Künftig fließe mehr Wasser in kürzerer Zeit in die Becken, wobei durch bauliche Maßnahmen gleichzeitig weniger Wirbel und Strudel entstehen.
Der Hauptgrund der Sanierung liegt im Alter der Schleuse: Erbaut in den 1920er Jahren, ist sie 2010 statisch ein Problem. Der Statiker kann die Standsicherheit nicht mehr nachweisen. Dabei zieht er nicht nur die 90 Jahre alten Pläne zu Rate, sondern auch Fotos vom Bau damals. Aus dieser Erfahrung heraus läuft am Kachlet von 2010 bis 2015 immer die Kamera mit: Ein Film dokumentiert den Quasi-Neubau der Schleuse. Damit können künftige Generationen auch auf Bildmaterial zurückgreifen, wenn die nächste Grundinstandsetzung ansteht. Befragen können sie dann vermutlich niemand mehr: Der Neubau ist wieder auf eine Nutzungsdauer von 80 Jahren ausgelegt.
„Das ist die größte Baumaßnahme weit und breit“, sagte der Passauer Bundestagsabgeordnete Andreas Scheuer, Staatssekretär im federführenden Bundesverkehrsministerium, beim Spatenstich für die Sanierungsarbeiten am 10. Oktober 2011. Er hob die Notwendigkeit der teuren Maßnahme hervor: „Erhalt und Pflege der Bauwerke, wie hier der Schleuse Kachlet, sind Grundvoraussetzung für eine leistungsfähige Binnenschifffahrt.“ Scheuer kündigte eine „offene und transparente Baustelle“ an, die interessierten Bürgern nicht nur an einem Tag der offenen Tür Einblicke in die Arbeiten geben werde.
Detlef Aster, Präsident der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Süd, betonte die Bedeutung der Bundeswasserstraße Donau. Auf der transeuropäischen Verkehrsachse, die zehn Länder berühre und durch vier europäische Hauptstädte fließe, wurden zuletzt 6,7 Millionen Tonnen an Gütern transportiert. Laut Aster würden zehn Millionen Tonnen für die kommenden Jahre prognostiziert. Deshalb müsse die Donau möglichst kalkulierbar und dauerhaft schiffbar sein. Dazu gehöre neben funktionierenden Schleusen auch die Beseitigung des Nadelöhrs zwischen Straubing und Vilshofen.
Literatur
- Ulrich Pietrusky, Günther Michler, Donatus Moosauer: Niederbayern – im Fluge neu entdeckt, Verlag Morsak Grafenau, 2. Aufl. 1982, ISBN 3-87553-135-3
- Franz Danninger: Schleuse Kachlet wird für 60 Mio. Euro saniert. In: Passauer Neue Presse vom 13. April 2010 (S. 19)
- Jörg Klotzek: Eine neue Heizung fürs Kachlet. In: Passauer Neue Presse vom 10. Mai 2011 (S. 19)
- Jörg Klotzek: 86 Millionen: Kachlet-Umbau wird viel teurer. In: Passauer Neue Presse vom 22. Oktober 2010 (S. 17)
- Jörg Klotzek: Ab 10.10. um 10 Uhr fließen 86 Millionen Euro ins Kachlet. In: Passauer Neue Presse vom 06. August 2011 (S. 17)
- Jörg Klotzek: Das Kachlet-Kraftwerk liefert Strom für eine Großstadt. In: Passauer Neue Presse vom 18. August 2011 (S. 22)
- Jörg Klotzek: Größte Baumaßnahme weit und breit In: Passauer Neue Presse vom 11. Oktober 2011 (S. 8)
- Jörg Klotzek: Spatenstich für die "Jahrhundert-Baumaßnahme" In: Passauer Neue Presse vom 11. Oktober 2011 (S. 19)
