Julius Mayr

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Julius Mayr (Poträt von Wilhelm Leibl, 1890)

Dr. Julius Mayr (* 7. Januar 1855 in Rotthalmünster; † 8. Mai 1935 in Brannenburg) war ein deutscher Arzt, Schriftsteller und Alpenvereinsfunktionär.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Jugend in Rotthalmünster

Mayr wurde am 7. Januar 1855 in Rotthalmünster als viertes Kind (2 Brüder, 1 Schwester) des Landgerichtsarztes Dr. Karl Mayr geboren. Bereits ein Jahr später starb seine Mutter – den Erzählungen zu folge eine stattliche, schöne Frau – an Typhus. Mayr war zu diesem Zeitpunkt gerade 14 Monate alt. Bei einem schrecklichen Brand in Rotthalmünster am 23. April 1858 rettete ihn die Magd Resi zu einem Drechslermeister. Schon in seiner Kindheit begleitete er seinen Vater auf viele Reisen – wie zum Beispiel im Alter von fünf Jahren, als er mit ihm zum Passionsspiel in Oberammergau durfte. Von 1861 bis 1865 war Julius Mayr Schüler in Rotthalmünster. 1865 verlies der Vater Rotthalmünster, weil er zum Bezirksgerichtsarzt in Pfarrkirchen befördert wurde. Danach war Mayr von 1865 bis 1869 dann Schüler im Klostergymnasium der Benediktiner in Metten und von 1869 bis 1873 am Ludwigs-Gymnasium in München. 1873 machte er sein Abitur und absolvierte 1873/1874 seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger.

Studium und berufliches Wirken

Von 1874 bis 1878 studierte Mayr Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und promovierte 1879 mit dem Dissertationsthema „Historische Skizzen über das Erysipel“. Es folgten Fortbildungs-Aufenthalte in Wien, Berlin, Prag und Budapest. Von 1880 bis 1897 wirkte er als praktischer Arzt und Augenarzt in Rosenheim (Innstraße 11), als Gemeindeversicherungsarzt, als Königlich-Bayerischer Stabsarzt der Landwehr, als Bahnarzt, als Fabrikarzt der Zündholzfabrik Hamberger sowie als Hausarzt des „Marienbads“. Im Oktober 1880 heiratete er Auguste Hiedl, die Tochter eines Landrichters in Passau, mit der er später zwei gemeinsame Töchter hatte: Helene (verh. Weller in erster Ehe, verh. Wohnlich in zweiter Ehe) und Luise („Lilli“; verh. Hundt).

Aufgrund seiner gerichtsärztlich-chirurgischen und augenärztlichen Fortbildungen war der praktische Arzt Julius Mayr auch befähigt, Bauchschnitte, Amputationen und sogar Schiel- und Staroperationen auszuführen. Er galt als kompetenter und beliebter Arzt, seine Patienten kamen aus weitem Umkreis. Die üblichen Evaluationen durch die Kammern des Innern der Königlichen Regierungen von Ober- und von Niederbayern bestätigten ihm besondere Bildungs- und medizinische Standards und damit die Eignung für die Position eines Königlichen Bezirksarzt I. Klasse, wofür sich Julius Mayr auch erfolgreich bewarb: Nach der Ernennung durch Prinzregent Luitpold war er von 1897 bis 1903 war er Königlich Bayerischer Bezirksarzt I. Klasse in Bogen in Niederbayern. Allerdings war Mayr von 1901 bis 1903 wegen einer schweren Erkrankung an Speiseröhre und Magen beurlaubt. Divertikel in der Speiseröhre und die Notwendigkeit, sich täglich selbst eine Sonde einzuführen und den Magen zu spülen, zwangen ihn zur endgültigen Aufgabe seiner beruflichen Tätigkeit: Mit dem 1. Januar 1904 folgte seine Pensionierung.

Von etwa 1885 bis 1900 bestanden Freundschaften mit Wilhelm Leibl, Johann Sperl, Max Liebermann, der Unternehmerfamilie Steinbeis (Wendelsteinbahn) und anderen. 1890/1891 wurden Julius und Auguste Mayr von Wilhelm Leibl porträtiert; das Porträt von Julius Mayr befindet sich heute im Schweinfurter Museum Georg Schäfer, das Porträt von Auguste Mayr gilt als verschollen. Mayr publizierte zahlreiche medizinische Aufsätze und hielt viele medizinische Fachvorträge. Das Umsetzen jeweils neuester medizinisch-technischer Erkenntnisse war ihm wichtig, ebenso aber auch das Bewahren ärztlichen Einfühlungsvermögens und „ärztlicher Kunst“.

Als Wanderer, Alpinist und Alpenvereinsfunktionär

Der Dr.-Julius-Mayr-Weg

Sein Vater weckte in Julius Mayr noch in der Rotthalmünsterer Zeit die Liebe zu den Bergen, zum Wandern und zur Natur. Als 17-Jähriger stand er bereits auf dem Gipfel des Großvenedigers. Rosenheim und das Inntal wurden dann Ausgangspunkt für „Bergfahrten“ im gesamten Ostalpenraum, in den Vorbergen, aber auch in den Abruzzen (Gran Sasso d’Italia). Von 1887 bis 1897 sowie von 1907 bis 1912 war Julius Mayr Vorsitzender der Sektion Rosenheim des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. Als solcher war er „Vater des Brünnsteinhauses“, dessen Standort er persönlich aussucht, dessen Bau er vorantreibt und dessen Eröffnung 1894 er vorbereitet. Der gesicherte Steig vom Brünnsteinhaus zum Brünnsteingipfel, 1898 fertiggestellt, führt noch heute seinen Namen: „Dr.-Julius-Mayr-Weg“.

Schriftstellerisches Wirken und Lebensabend

Von 1901 bis zu seinem Tod 1935 war Mayr in Brannenburg am Inn wohnhaft. Sein Haus dort wurde in den 1960ern abgerissen. Im Jahr 1906, knapp sechs Jahre nach Wilhelm Leibls Tod, erschien die erste Auflage von Mayrs Biografie über seinen Freund und häufigen Jagd- und Wandergefährten: „Wilhelm Leibl. Sein Leben und sein Schaffen“. Es galt jahrzehntelang als das Standardwerk über den deutschen Maler und beschreibt nicht nur Leben und Werk Leibls, sondern erzählt auch von seiner Freundschaft mit Johann Sperl und mit Julius Mayr. Es folgte drei weitere Auflagen bis 1935 im Verlag F. Bruckmann, München; das Erscheinen der vierten Auflage 1935 erlebte Julius Mayr nicht mehr.

In seinen Tagebuchaufzeichnungen kritisierte er pointiert und heftig Kaiser Wilhelm II. und sah bereits 1905 den Ersten Weltkrieg voraus. In den 1920er und Anfang der 1930er Jahre war er mit Josef Hofmiller, Eduard Stemplinger, Apotheker Rieder und Ludwig Steub befreundet. Seine vielen Bergwanderungen (z.B. auf Berge im Chiemgau, im Inntal oder im Mangfallgebirge), aber auch seine Wanderungen im Vorland (z.B. im Etschtal oder in der Wachau) veranlassten Julius Mayr nicht nur, darüber in Vorträgen (etwa vor Mitgliedern des Alpenvereins) und Aufsätzen zu berichten, sondern auch Erzählungen zu schreiben. Nur ein Teil davon veröffentlichte er in der 1924 erschienenen Auswahl-Ausgabe „Auf stillen Pfaden“. Die meisten publizierte Mayr verstreut in verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen, gerne auch in den Mitteilungsblättern des Alpenvereins.

Julius Mayr entwarf anschauliche, oft lyrisch anmutende Stimmungsbilder in teils romantischen Tönungen, er charakterisiert liebevoll, auch humorvoll, meist einfache Menschen, mischte Hochsprachliches mit Umgangssprachlichem und leicht stilisiert Mundartlichem, brachte aber auch historisch-kulturhistorische Kenntnisse, nüchterne Fakten und humanistisch Reflektiertes ein. Oft zitierte er Goethe, etwa aus dem „Faust“ oder dem „West-östlichen Divan“. Um 1930 verfasste er auch ein (unveröffentlichtes) Schauspiel „Sigbot von Falkenstein. Heimatliches Trauerspiel in 5 Akten“. Es behandelt, in kreativem Umgang mit Julius Mayr durchaus bekannten historischen Quellen, das tragische Ende des letzten Vertreters der einst mächtigen Grafen von Falkenstein in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Sprache, Rhythmus und Motive zeigen dabei deutliche Anklänge an klassische Vorbilder, v.a. an Schiller (Tell, Piccolomini) und Goethe (Gretchen-Tragödie). Anfang der 1930er Jahre wendete er sich leidenschaftlich gegen das Treiben der Nationalsozialisten. Bereits 1934 glaubte er einen kommenden Holocaust voraussagen zu können. Auch in der letzten Szene des „Sigbot von Falkenstein“ spielt er auf Brandstiftung, Mord und Terror seiner Gegenwart an.

1932 starb seine Frau Auguste Mayr an Leukämie. In der Folge entstand die biografische Skizze bzw. der Essay „Sie. Eine bürgerliche Frau von Adel“. Auguste Mayr wurde auf dem Rosenheimer Friedhof beigesetzt. Dort wird auch Julius Mayr selbst nach seinem Tod am 8. Mai 1935 bestattet.

Würdigungen

Vom 27. Februar bis zum 9. Mai 2014 war im Stadtarchiv Rosenheim unter dem Motto „Dr. Julius Mayr. Arzt – Bergfreund – Schriftsteller“ eine Ausstellung zu Ehren Julius Mayrs aufgebaut. Dazu existiert auch eine Foto-Dokumentation. Die Ausstellung war dann vom 4. Juni bis zum 27. Juni 2014 in der Marktgalerie Rotthalmünster zu sehen. Im weiteren Verlauf des Jahres 2014 soll in Rotthalmünster eine Straße nach Julius Mayr benannt werden. Über eine ähnliche Maßnahme wird auch im Rosenheimer Stadtrat nachgedacht.

Publikationen (Auswahl)

Quellen

Literatur

Weblinks

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