Joblinge gemeinnützige AG - Zwiesel
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Die gemeinnützige Joblinge AG wurde auf Initiative der Privatwirtschaft in Zwiesel gegründet und hat zum Ziel, alle jungen Arbeitslosen aus Zwiesel in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Das Modellprojekt wurde von der Eberhard von Kuenheim Stiftung (BMW) und von der Boston Consulting Group initiiert. Beteiligt sind auch das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus, die Arbeitsagentur und die Anwaltssozietät Lovells.
Für die Förderung der Betroffenen haben die Stadt Zwiesel, der Landkreis Regen, Banken und Unternehmen aus der Region mit 75.000 Euro Startkapital eine gemeinnützige Aktiengesellschaft gegründet. Dieser privatwirtschaftlich organisierte Weg zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit soll ab dem Schuljahr 2009 auch nach München gehen und sich dann weiter ausbreiten. Mittlerweile hat die Jobline gAG Kontakt zu rund 150 Firmen in den Landkreisen Regen und Deggendorf.
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Ziel
Mehr Jugendlichen im Bayerischen Wald den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt eröffnen − das ist das Ziel der gemeinnützigen Joblinge AG. Die arbeitslosen, jungen Leute müssen wollen und sie müssen sich bewähren, dann werden sie individuell betreut und von ehrenamtlichen Mentoren fit gemacht für den Arbeitsmarkt. Allein in der Stadt Zwiesel gibt es 22 arbeitslose Jugendliche, alle wurden angeschrieben und informiert. Neun Arbeitslose im Alter zwischen 16 und 25 Jahren haben die Bewährungsphase schon bestanden und werden individuell betreut. Die neun Joblinge machten bei der Projektvorstellung deutlich, wie wichtig ein festes Arbeitsverhältnis für ihre Zukunft sei. Laufend werden neue junge Leute in das Projekt aufgenommen. „Ziel ist es, dass es künftig keine Jugendarbeitslosigkeit mehr im Raum Zwiesel gibt“, sagte Toni Fischer, Vorstand der Joblinge AG.
Zielgruppe
Das Modell will für jeden jungen Arbeitssuchenden, der keine abgeschlossene Ausbildung und nicht älter als 25 Jahre alt ist, eine genau zugeschnittene Lösung finden, abseits der üblichen − oft zur endlosen Warteschleife werdenden − Maßnahmen. Das beginnt mit der Klärung des Berufswunsches, denn viele Jugendliche wissen oft gar nicht was sie wollen und was sie können. Bei der Suche nach einer geeigneten Tätigkeit werden sie intensiv von ehrenamtlichen Mentoren betreut, die jede Menge Berufs- und Lebenserfahrung mit sich bringen und den Jugendlichen als ständiger Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Zunächst müssen sich die jungen Leute aber bewähren, sie müssen zeigen, dass sie wirklich arbeiten wollen. Das geschieht im Rahmen eines 14-tägigen Praktikums, wo vor allem auf Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Durchhaltevermögen und anständiges Auftreten geachtet wird.
Erste Erfolge
Interview
Das Joblinge-Projekt, das Zwieseler Spezialmodell zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, hat die ersten Praxismonate hinter sich. Über die ersten Erfolge sprachen der Vorstand der gemeinnützigen Joblinge AG Toni Fischer, die für die Koordination mit Unternehmen und Bildungsträgern zuständige Sabine Falter und Ronja Perschbacher von der Boston Consulting Group.
Im Mai 2008 ist die Joblinge gAG gegründet worden, im September ist das Projekt richtig angelaufen. Wie sieht ihre erste Zwischenbilanz aus?
Fischer: Es hat sich auf alle Fälle bestätigt, dass wir mit unserem Angebot richtig liegen: Es besteht Bedarf an so einem Modell, das erfahren wir ganz konkret von den Jugendlichen, die bei uns betreut werden. Die schätzen es, dass wir uns viel Zeit für sie nehmen und wirklich nach individuellen Lösungen für jeden Einzelnen suchen.
Wie viele Teilnehmer hat es bisher gegeben?
Fischer: Wir sind davon ausgegangen, im Jahr zwischen 60 und 80 Joblinge zu betreuen; seit September haben wir jetzt 30 junge Leute aufgenommen, weitere sieben sind in der Anfangsphase wieder ausgeschieden.
Warum?
Fischer: Zum Teil aus mangelnder Motivation. Mancher klinkt sich eben aus und den erreicht man dann auch trotz aller Anstrengungen nicht mehr.
Wie kommen die Leute zu ihnen?
Fischer: Normalerweise über Arbeitsagentur oder Arge.
Perschbacher: Es sind auch schon Jugendliche von sich aus gekommen; einer nimmt dafür sogar täglich den Weg aus Deggendorf auf sich.
Fischer: Insgesamt ist das aber sicher ein Feld, auf dem es Handlungsbedarf gibt. Wir müssen schauen, dass wir auf neuen Wegen an die Jugendlichen herankommen und sie für das Projekt begeistern. Wir werden jetzt eng mit der Berufsschule in Regen kooperieren, um gemeinsam die Zielgruppe zu erreichen.
Wie viele Joblinge haben denn bisher eine Beschäftigung gefunden?
Falter: Die ersten Erfolge sind ermutigend. Bisher konnte fast jeder Jobling, der das Projekt durchlaufen hat, erfolgreich vermittelt werden. Das bedeutet konkret, dass 14 der 22 Joblinge, die das Programm abgeschlossen haben, eine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle gefunden haben, und zwar alle bei Betrieben im Landkreis, vor allem in der Gastronomie, aber auch im Bereich Glas, Metallbau, im Produktions- und landwirtschaftlichen Sektor. Und nicht zuletzt hat die Joblinge gAG selbst eine Teilnehmerin übernommen, die jetzt als Teamassistentin bei uns arbeitet. Vier weitere Joblinge absolvieren gerade Bewerbungspraktika in Unternehmen. Wenn sie erfolgreich abschließen, können auch sie damit rechnen, übernommen zu werden. Es sieht bei allen gut aus. Vier Joblinge werden derzeit intensiv bei Bewerbungen unterstützt und acht sind noch mitten im Programm, also etwa in der Orientierungsphase, bei der es darum geht, das geeignete Berufsfeld für einen Jobling ausfindig zu machen.
Das Projekt ist ja lange und intensiv vorbereitet worden. Sind dennoch unerwartete Probleme aufgetreten?
Fischer: Es gibt schon mal Enttäuschungen, aber grundsätzlich hat es keine großen Überraschungen gegeben.
Falter: Sicher ist es enttäuschend, wenn einer viele Chancen bekommt und sie nicht nutzt. Aber solche Rückschläge sind immer auch eine Herausforderung, ein Schritt nach vorn und Ansporn, neue Ideen und Strategien zu entwickeln.
Kommt es auch vor, dass die gAG von sich aus jemanden aus dem Projekt wirft?
Fischer: Ja. Wenn sich ein Teilnehmer nicht an die Regeln hält, zum Beispiel nicht mit Mentoren zusammenarbeiten will, nie zu den Gruppenterminen und den Einzelgesprächen erscheint, führen wir ernste Gespräche und - wenn nichts hilft - müssen wir ihm dann kündigen.
Falter: Der Jobling ist eine Marke. Wir helfen ihm dabei, motiviert, zuverlässig und pünktlich zu sein. Darauf legen wir Wert, weil sich die Unternehmen darauf verlassen können müssen.
Stichwort Mentoren: Gibt es genug dieser ehrenamtlichen Begleiter, die den Joblingen durch das Projekt Hilfestellung geben?
Fischer: Wir haben derzeit 15 Mentoren, einige von ihnen betreuen zwei Joblinge. Optimal wäre es, wenn wir für jeden Jugendlichen einen Mentor hätten. Wir könnten also schon noch welche brauchen, besonders auch Frauen. Am 12. Februar startet das nächste Mentorentraining. Einige Mentoren haben sich aus beruflichen Gründen inzwischen verabschiedet.
Falter: Wir achten allerdings schon darauf, dass die Mentoren nicht zu sehr beansprucht und vereinnahmt werden.
Fischer: Richtig. Der Mentor steht dem Jobling auch beim Einstieg in den Job zur Seite, denn gerade die Probezeit ist ja eine aufregende Phase für die Joblinge, aber dann muss die Abnabelung passieren.
Sind die Mentoren mehrheitlich berufstätig oder Rentner?
Falter: Das hält sich in etwa die Waage. Das Besondere an allen Mentoren ist das soziale Engagement. Keiner von ihnen macht das aus Gewinnstreben oder um sich sonst einen Vorteil zu verschaffen, das ist schon eine besondere Qualität von Menschen.
Wird sich die Wirtschaftskrise auf das Projekt auswirken?
Fischer: Ich hoffe, dass es zumindest bei den Qualifizierungspraktika keine Probleme gibt, denn da geht es ja noch nicht um feste Arbeitsstellen. Und die Firmen, vor allem natürlich die, die selbst Aktionäre in der gAG sind, haben schon bisher gezeigt, dass sie den Jugendlichen wirklich helfen wollen. Mit einer festen Anstellung wird es in den kommenden Monaten sicher schwieriger werden, aber wir werden dann versuchen, die Zeit für den Jobling mit guten Qualifizierungsmaßnahmen zu überbrücken. Wir arbeiten da gut mit der Arbeitsagentur und den Bildungsträgern in der Region zusammen.
Perschbacher: Für Ausbildungsstellen sieht die Situation besser aus. Da haben wir schon mehrere Angebote für Joblinge.
Was sind die nächsten Pläne, gibt es neue Ideen?
Fischer: Demnächst geht es um die Weiterfinanzierung des Projekts ab September. Wir hoffen auf eine Teilfinanzierung aus dem Europäischen Sozialfonds, werden aber auch weiter Kommunen und Firmen ansprechen.
Perschbacher: Künftig werden die Joblinge in kleinen Gruppen aufgenommen, weil wir bewusst die Gruppendynamik stärken wollen. In der Gruppe motivieren sich die jungen Leute oft gegenseitig. Bei der gemeinsamen Projektarbeit - wie bei der Vorbereitung der Weihnachtsfeier - lernen sie nebenbei vieles kennen, was im Beruf für sie wichtig ist: überzeugendes Auftreten, gemeinsam Lösungen finden. Wir setzen dabei auf aktives Lernen statt auf Frontalunterricht.
Falter: Wir haben viele Ideen und wollen zum Beispiel die Jugendlichen zum Einstieg ein Projekt - etwa eine gemeinsame Theateraufführung - managen lassen. Dabei kann man Talente in unterschiedlichsten Bereichen entdecken. Wir wollen den Joblingen Verantwortung übertragen, sie fördern und fordern.
Ausweitung und Umzug
Ausweitung
Seit 1. April 2009 gibt es auch in München eine gemeinnützige Joblinge AG. Zu dieser erschien auch Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer, die sich beeindruckt zeigte: "Das Projekt setzt genau da an, wo es derzeit besonders nötig ist: am Problem der Jugendarbeitslosigkeit. Dass sich dafür Bürger und Unternehmer aus Eigeninitiative engagieren, ist ein Beweis für gelebte Zivilgesellschaft in Deutschland." Das Konzept soll nun auch in anderen Regionen Deutschlands eingesetzt werden um Jugendlichen eine Chance auf einen Arbeitsplatz zu ermöglichen. Toni Fischer aus Zwiesel, der das Projekt Joblinge als Geschäftsführender Vorstand mit initiiert hat und begleitet, will die Grenzen in den Landkreis Freyung-Grafenau überschreiten und noch mehr Jugendlichen diese Möglichkeit der Unterstützung anbieten. Bei Landrat Ludwig Lankl und Konrad Niederländer, dem Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Grundsicherung im Landkreis, hat er diese Initiative vorgestellt. Beide unterstützen uneingeschränkt das Ziel, dass sich Wirtschaft, die öffentliche Hand und Helfer aus der Zivilgesellschaft gemeinsam gegen die Jugendarbeitslosigkeit engagieren. Landrat Lankl und Konrad Niederländer erhoffen sich auch im Landkreis Freyung-Grafenau ein großes Engagement von aktiven und tatkräftigen Kooperationspartnern, die ihre unterschiedlichen Kompetenzen bündeln und für junge Menschen Chancen schaffen wollen, ihre Berufswünsche zu verwirklichen. Mittlerweile läuft das Projekt auch in den Großstädten Frankfurt und Berlin.
Umzug
Seit dem Start des im Jahr 2008 wurden 168 Jugendliche in das Projekt aufgenommen, davon konnten die 30 ehrenamtlichen Mentoren, die die Jugendlichen intensiv und individuell betreuen, 104 Arbeit oder eine Ausbildung vermitteln. Nach drei Jahren geht die Ära der Joblinge gAG in Zwiesel zuende. Die Joblinge geben 2011 ihre Niederlassung in Zwiesel auf und ziehen um nach Deggendorf, in die Lateinschulgasse in der Nähe des Deggendorfer Einkaufzentrums. Der Betrieb in Zwiesel konnte nicht mehr aufrecht erhalten werden, weil sich nicht mehr genügend Teilnehmer fanden. "Wir sind aber auch dort weiterhin für Jugendliche aus dem Landkreis Regen da", betont Vorstand Toni Fischer. Der Umzug bringt auch ncoh andere Neuerungen mit sich. Auch die Finanzierung des Projekts wird auf neue Beine gestellt. Aus dem Europäischen Sozialfonds erhält die AG 70 Prozent Förderung. Der Rest muss von der gAG selbst erbracht werden. Dies Versucht man durch Firmnenspenden, vor allem durch Unterstützer BMW und die Boston Consulting Group.
Literatur
- Rainer Schlenz:"Die ersten Erfolge sind ermutigend." In: Passauer Neue Presse vom 06. Februar (S. 25)
- Claudia Winter:Mentoren machen Jugend fit für den Job. In: Passauer Neue Presse vom 5. Juni 2008 (S. 8)
- Rainer Schlecnz:Wie Zwiesel jungen Arbeitslosen beisteht. In: Passauer Neue Presse vom 29. April 2009 (S. 11)
- rz:Joblinge beeindrucken die Ministerin, Passauer Neue Presse vom 30. April 2009, (S.29)
- Claudia Winter: Joblinge-Projekt: Hilfe zur Selbsthilfe. In: Passauer Neue Presse vom 15. März 2010, Ausgabe BBZ, (S. 28)
- PNP: Mit der Initiative "Joblinge" gegen die Jugendarbeitslosigkeit. In: Passauer Neue Presse vom 02. Juli 2010, Ausgabe FF, (S. 13)
- Rainer Schlenz: Joblinge brechen Zelte ab In: Passauer Neue Presse vom 6. Oktober 2011 (S. 25)
