Hauptbahnhof Passau
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Der 1860 im klassizistischen Stil gebaute Passauer Hauptbahnof (Passau Hbf) ist der wichtigste Personenbahnhof der Stadt und der Region. Der Passauer Bahnhof besteht aus acht Bahnsteiggleisen, darunter drei Stumpfgleisen und drei Durchgangsgleisen. Insgesamt ist das Bahnhofsgebäude 130 Meter lang.
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Geschichte
Vorbereitungen
Anfangs sah es nicht nach einer friedlichen Lösung aus. Als bei der Vermessung der Grundstücke Signalstangen gesetzt wurden, rissen die empörten Bewohner der Hofmark St. Nikola diese aus. Am 18. März 1857 ermächtigte das Innenministerium die Regierung von Niederbayern, das Zwangsentäußerungsverfahren für die Grundstücke und Anwesen einzuleiten, die von der Ostbahn in Passau benötigt wurden.
Bereits 1857 setzten die Schätzmänner die Entschädigung für die Landabtretung fest. Trotz des Geldregens, der in Aussicht stand und über 33 Beteiligte niedergehen sollte, waren diese mit der Schätzungskommission unzufrieden, da sie ihre Grundstücke fast doppelt so hoch bewerteten als diese. Erst als mit Strafen gedroht wurde, so Heimatforscher Otto Geyer, wurden die Arbeiten fortgesetzt. Am geplanten Bahnhofsplatz mussten schließlich zwei Anwesen niedergerissen werden.
Am 27. Februar 1858 übersandte Ostbahndirektor Paul von Denis dem Verwaltungsrat den Entwurf für „die Anlage des Bahnhofes zu Passau“ in der Vorstadt St. Nikola. In diesem Schreiben bekannte er unumwunden, dass der Ankauf von mitunter wertvollen Anwesen und Gärten sicher beträchtliche Kosten verursachen würde, was jedoch unvermeidlich sei. Der Ostbahn-Aufsrichtsrat stimmte am 17. März 1858 den Plänen einstimmig zu.
Schon am 10. Juni 1858 waren die Grundablösungen in der damaligen Vorstadtgemeinde St. Nikola „zur allgemeinen Zufriedenheit“ beendet. Die zu erwartenden Grundstücks-Ablösungssummen löschten den anfänglichen Widerstand der Bevölkerung aus.
Der Bahnhofsbau
Zeitgleich begann von Vilshofen aus der Bau der Bahnlinie nach Passau. Der schwierigste und aufwendigste Bauabschnitt lag im Bereich der Löwenwand in Schalding r.d.D., hier mussten große Felssprengungen vorgenommen werden. Baubeginn des Bahnhofs war im Frühsommer 1858. Gleichzeitig wurde mit den österreichischen Stellen verhandelt, und trotz einer großen Besprechung am 21. Dezember 1859 gab es noch immer einige Unstimmigkeiten. Erst am 1. September 1860 schrieb k. u. k. Unterstaatssekretär Koller des Ministeriums des Äußeren an die bayerische Gesandtschaft, dass man im allgemeinen gegen die Bahnhofspläne nichts einzuwenden habe.
Gegenüber dem Peschlkeller war man gezwungen, das Gelände durch Sprengschüsse aufzureißen, die einen Steinhagel in die Umgehung sandten, worüber sich die Gäste des Sommerkellers beschwerten, da sie in ihrer Gemütlichkeit nicht gestört sein wollten.
Nachdem feststand, dass die vollkommene Fertigstellung nicht in weniger als 16 Monaten erfolgen konnte, wurde Ende Juli 1860 die provisorische Einsteighalle des Münchner Ostbahnhofs abgebrochen und in Passau im August wieder aufgebaut.
Der erste Zug
Am 16. September 1860 um 15 Uhr fuhr der „Probezug“ von Straubing aus im Passauer Bahnhof ein. Eine begeisterte Menschenmenge um den „rechtskundigen Bürgermeister“ Dominikus Praßlsberger empfing die Gäste der Eröffnungsfahrt. Die Mitfahrt der drei bayerischen Minister Karl Ignatz Freiherr von Schrenck von Notzing, Max von Neumayr und Benno Heinrich von Pfeufer mit Ministerialräten zeigt die Bedeutung der Bahnstrecke für das Königreich.
Im Gasthof Wilder Mann von Anna und Anton Niederleuthner fand zu Ehren der Bahneröffnung ein „fröhliches Mahl“ statt, an dem 40 Honoratioren teilnahmen. Wie der Erforscher der regionalen Eisenbahngeschichte Walther Zeitler recherchiert hat, wurden während des Festdiners mehrere Hochs auf seine Majestät König Maximilian II., auf die Firmen und Ingenieure, die am Bau beteiligt waren und auf Passau ausgebracht.
Beleuchtungsprobleme
Ein Sorgenkind war die sandige und bei Nacht schlecht beleuchtete Straße vom Bahnhof zum Ludwigstor, das auf dem heutigen Ludwigsplatz stand. Laut Geyer beleuchteten lediglich „vier Ölfunzeln“ die Straße. Fünf Jahre lang wurde um eine bessere Beleuchtung gerungen. Die Gemeinde St. Nikola war zahlungsschwach, die Stadt Passau noch nicht zuständig. Da finanzierte der Brauereibesitzer Josef Schmerold von St. Nikola eine Gasbeleuchtung. 1865 brannten nun auf der „fast zehn Minuten langen Strecke fünf Gaslaternen“. Erst nach Eingemeindung der Hofmark St. Nikola 1870 besserten sich allmählich die Straßen und Beleuchtungsverhältnisse. Mit einer regelrechten Kampagne warb Passau 1906, bereits ein Jahr vor Eröffnung des E-Werks und dem erstmaligen Fließen elektrischer Energie, für die moderne Technik. Das E-Werk wurde am 1. April 1907 eröffnet.
Weiterbau nach Österreich
Eine besondere Herausforderung für den Sektionsingenieur Ludwig Schlichtegroll, der den Bahnbau in Passau leitete, war der 172 Meter lange Tunnel unter dem Kleinen Exerzierplatz. Der wichtige Veranstaltungsplatz, auf dem die Maidult stattfand, sollte nicht durch die Eisenbahn zerstört werden. Die Weiterführung der Strecke nach Österreich als „Königlich Kaiserliche privilegierte Kaiserin Elisabeth-Bahn“ war in einem Staatsvertrag geregelt. Für die 94,8 Meter lange Kaiserin-Elisabeth-Brücke über den Inn wurde am 20. Februar 1860 der Grundstein gelegt. Am 31. Juli 1861 fuhr die erste Eisenbahn mit „illustren Gästen“ von Schärding nach Passau. Bevor die Eisenbahnbrücke überquert wurde, stiegen die Fahrgäste aus und beobachteten, wie zehn Transportwägen von je 500 Zentner Gewicht die über die Brücke gezogen wurden und damit deren Tragfähigkeit erfolgreich unter Beweis stellten. Am 1. September 1861 wurde die Strecke Passau-Wels für den öffentlichen Verkehr eröffnet.
Bahnhofsumbau
Am 1. September 1879 wurde die Rottalbahn zwischen Neumarkt-St. Veit und Pocking in Betrieb genommen. In Erwartung des verstärkten Betriebs bei Einführung dieser Bahnlinie in den Bahnhof Passau musste dieser erweitert werden. Der Umbau begann am 14. April 1887. Damals wurde auch das neue Maschinenhaus an der Haitzinger Straße mit 165 Metern Frontlänge und einer großen Drehscheibe errichtet. Bis zu diesem Umbau kreuzte die Staatsstraße nach Regensburg mehrmals das Bahnhofsgelände. 1887 entschloss man sich zum Bau eines eigenen Postamts neben dem Bahnhof. Als besondere Auflage war mit dem Bau die Errichtung eines Fußgängerstegs über den Bahnhof zum Preis von 20 000 Mark verbunden. Am 2. April 1888 genehmigte die bayerische Staatsregierung dieses Vorhaben.
Neue Bahnstrecken
Am 15. Oktober 1888 wurde die Rottalbahn zwischen Passau und Pocking eröffnet, die somit durchgehend bis München befahrbar war. Am 6. Dezember 1890 folgte die Strecke Passau-Röhrnbach, die Bahnstrecke Passau-Freyung wurde am 15. Dezember 1892 für den Gesamtverkehr von Passau nach Freyung freigegeben wurde. Durch ein Gesetz vom 28. April 1882 wurde der Bau der Lokalbahn Passau-Hauzenberg genehmigt, die am 15. November 1904 in Betrieb genommen wurde. Die Lokalbahn Passau-Hauzenberg erhielt 1909 von Erlau aus einen Anschluss nach Obernzell, von wo 1912 die Zahnradstrecke Obernzell-Wegscheid in Betrieb genommen wurde.
Zweiter Weltkrieg
Während des Zweiten Weltlrieges gab es mehrere Luftangriffe auf den Bahnhof, die einige Tote und Verletzte sowie erheblichen Sach- und Gebäudeschaden verursachten. Die Eisenbahnbrücken über die Donau und über den Inn wurden von deutschen Soldaten gesprengt und mussten nach Kriegsende im Laufe der Jahre wiederhergestellt werden.
Ereignisse seit dem Zweiten Weltkrieg
Einen neuen Abschnitt für den Passauer Hauptbahnhof leitete die Aufnahme des elektrischen Zugverkehrs durch die Österreichischen Bundesbahnen auf der Strecke Wels-Passau am 22. Mai 1955 ein. Damals wurde der Tunnel unter dem Kleinen Exerzierplatz erneuert und verkürzt sowie die Eisenbahnüberführung in der Grünaustraße abgebrochen und in Spannbeton neu aufgebaut. Am 26. Mai 1959 wurde der „elektrische Zugbetrieb“ auf der Strecke Passau-Regensburg eröffnet.
Der Passauer Bahnhof wird seit dem Jahr 1951 als Binnenbahnhof genutzt, und das sowohl von der ÖBB als auch von der DB. Deshalb gab es in früheren Zeiten eine Mauer, die die Passagier-Unterführungen voneinander trennte und die Grenz- und Zollkontrollen ermöglichte. Nach dem EU Beitritt Österreichs 1995 wurde diese Mauer fast komplett abgerissen. Auf dem Rest der Mauer wurde für Klaus März und Georg Schachner eine Gedenktafel angebracht. Die beiden Polizisten waren am 11. November 1993 in einem Intercity auf dem Weg nach Passau ermordet worden.
Am 28. Juli 2008 starben zwei Arbeiter bei einem tödlichen Arbeitsunfall am Hauptbahnhof Passau.
150-jähriges Jubiläum
Der Passauer Hauptbahnhof und die Ostbahnstrecke Passau-Straubing feierten 2010 ihr 150-jähriges Bestehen. Von der Hüpfburg in Form eines Schnellzugs über exklusive Einblicke in ein fahrendes Postamt bis hin zur Jubiläumsfahrt mit einem Sonderdampfzug gab es im Bahnhofsgebäude und im Betriebswerk der Passauer Eisenbahnfreunde jede Menge zu entdecken.
An den zwei Tagen des 11. und 12. Septembers 2010 kamen laut Stadtarchivar Richard Schaffner 5500 Besucher. Auf dem Bahngleis gab es mit musikalischer Begleitung der Stadtkapelle für die Geburtstagsgäste den aus diesem Anlass entworfenen Sonderstempel des Briefmarken-Sammlervereins und eine Sonderbriefmarke der österreichischen Post zu sehen. Zudem gab es Kartenspiele rund um die Dampflok, Schaffnerzubehör und lustige Bahnschilder. Kinder konnten sich in der ICE-Hüpfburg austoben.
Rund 450 Passauer nutzten auf der Jubiläumsfeier die Gelegenheit der Nostalgiefahrt von Passau nach Straubing. Bei einem der Zwischenstopps in Vilshofen, Osterhofen oder Plattling konnten die Fahrgäste den glühenden Kessel und das Kohlelager aus nächster Nähe inspizieren, den Lokführer mit Fragen löchern und in Straubing das Abkoppeln und Rangieren der Lok erleben.
Die zukunftsträchtige Bedeutung der Donau-Magistrale als Hauptschlagader unterstrichen der OB Jürgen Dupper und die Staatssekretäre Andreas Scheuer und Max Stadler, die ebenfalls zur Feier gekommen waren. Welche Ausbauprojekte in Zukunft eine Rolle spielen werden, stellte Landrat Franz Meyer vor: Neben weiteren Fernzügen seien ihm der zweigleisige Ausbau zwischen Plattling und Landshut und eine direkte Anbindung an den Flughafen Erding ein Anliegen.
Über den Hauptbahnhof Passau
Verkehrsverbindungen
Passau Hbf ist Haltestelle des Fern- und Nahverkehrs der Deutschen Bahn AG, sowie der Österreichischen Bundesbahnen. Es besteht die Möglichkeit, mit ICE, vereinzelt (inzwischen aber selten) auch IC/EC-Zügen in Richtug Nürnberg - Frankfurt - Dortmund und Linz - Wien zu fahren. Außerdem verkehren Regionalzüge nach München, nach Mühldorf und nach Linz. Am Bahnhofsvorplatz bestehen zudem zahlreiche Busverbindungen in der Stadt und ins Umland.
Neuerungen beim München-Express
Seit Mai 2010 ersetzen zwölf neue Zuggarnituren die alten Nahverkehrszüge. Einer davon erhielt den Namen "Passau". Somit ist auf der Strecke Passau - München ein Fahrplan im Stundentakt möglich. Auch komfortabler sind die neuen Züge. Doch jetzt sind Bahnfahrer auch Umweltschützer. Die alten Garnituren verbrauchten rund 1200 Kilowattstunden Strom bis sie in München ankamen. Die Neuen hingegen kommen mit der Hälfte aus, unter anderem dank Bremsenergie Rückgewinnung.
Zukunftspläne
Der Hauptbahnhof Passau soll im Zeitraum Mitte 2010 bis 2012 umgebaut werden. Dank des 12,5 Millionen teuren Projekts werden sowohl die Inselbahnsteige als auch der Hausbahnsteig mit Aufzügen ausgestattet. Weiterhin wird der Weg zwischen Bahnhof und Omnibusbahnhof verkürzt, der Hausbahnsteig wird um 76 cm angehoben und die Unterführung verbreitet.
Was gibt’s am Hauptbahnhof Passau?
- Bahnhofsbuchhandlung Strykowski
- Frizz-Bäcker
- Modellbahn der Passauer Eisenbahnfreunde e.V. (nur an bestimmten Tagen im Jahr geöffnet)
DB Reisebüro
- Telefon: 0851/4907764
- Fax: 0851/75639830
- E-Mail: passau@dbreisebuero.de
- Öffnungszeiten:
- Montag bis Freitag von 9.00 bis 18.00 Uhr
- Samstag von 9.00 bis 13.00 Uhr
Galerie
von der Grünaustraße aus |
Verkehrende Bahnlinien
| Richtung Wels Haltepunkt Pyret | Hauptbahn ÖBB/DB Folgestationen | Richtung Regensburg Haltepunkt Heining |
| Richtung Wels Bahnhof Wernstein | Hauptbahn ÖBB/DB Folgestationen in Betrieb | Richtung Regensburg Bahnhof Vilshofen (Niederbay.) |
| | Rottalbahn Folgestationen | Richtung Mühldorf Haltepunkt Passau-Auerbach |
| | Rottalbahn Folgestationen in Betrieb | Richtung Mühldorf Haltepunkt Neustift b. Passau |
| Richtung Hauzenberg Betriebsstelle Voglau | Granitbahn/Ilztalbahn Folgestationen | Richtung Freyung Haltepunkt Passau-Auerbach |
Literatur
- Franz Danninger: Der neue München-Express heißt "Passau". In: Passauer Neue Presse vom 27. April 2010 (S. 21)
- Richard Schaffner: Vor 150 Jahren fuhr die erste Eisenbahn nach Passau. In: Passauer Neue Presse vom 08. September 2010 (S. 20)
- Anna Mirecki: Nostalgie-Express dampft von Passau nach Straubing. In: Passauer Neue Presse vom 13. September 2010 (S. 25)
- PNP: Glückwunsch: Der Hauptbahnhof Passau feiert Geburtstag. In: Passauer Neue Presse vom 21. August 2010 (S. 28)
- PNP: Elektrizität gab es ab 1907. In: Passauer Neue Presse vom 06. August 2010 (S. 18)
- Christian Karl: Besserer Bahnhof wird Zug um Zug konkreter In: Passauer Neue Presse vom 04. Februar 2011 (S. 17)
- Walther Zeitler: Eisenbahnen in Niederbayern und in der Oberpfalz, Buch & Kunstverlag Oberpfalz, Weiden 1985, ISBN 3-924350-01-9

