Grafenau

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Grafenau
Das Wappen von Grafenau


Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Freyung-Grafenau
Höhe: 609 m
Fläche: 63,79 km²
Einwohner: 8.498 (30. Juni 2011)
Postleitzahl: 94475-94481
Vorwahl: 08552
Kfz-Kennzeichen: FRG
Website: www.grafenau.de
Erster Bürgermeister: Max Niedermeier (CSU)

Grafenau ist eine Stadt im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau und Luftkurort. Die Stadt ist Sitz der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald.

Blick auf Grafenau

Inhaltsverzeichnis

Lage

Die Stadt liegt im Bayerischen Wald unmittelbar am Nationalpark. Entlang des östlichen und südlichen Stadtrandes fließt die Kleine Ohe. Sie speist einen 1976 künstlich angelegten See im Sport- und Erholungspark der Stadt.

Das ehemalige Rathaus, jetzt Sitz der Nationalparkverwaltung

Ortsteile

Zur Stadt Grafenau gehören die Ortsteile Altbachhaus, Arfenreuth, Aufeld, Auwies, Bärnstein, Dimpflmühle, Eiblöd, Einberg, Elmberg, Elsenthal, Ettlmühle, Frauenberg, Furth, Furthhammer, Gehmannsberg, Grafenau, Grafenhütt, Großarmschlag, Grotting, Grüb, Grüberschlag, Harretsreuth, Harschetsreuth, Haselbach, Haus i.Wald, Heinrichsreit, Hörmannsberg, Hötzhof, Jägerreith, Judenhof, Kaltenberg, Kleblmühle, Klingmühle, Köpplhof, Langfeld, Lichteneck, Liebersberg, Lindenhof, Moosham, Nendlnach, Neudorf, Oberhüttensölden, Reismühle, Rosenau, Schildertschlag, Schlag, Schlageröd, Seiboldenreuth, Steinscharten, Stöckelholz, Unterhüttensölden und Voitschlag.

Geschichte

Mittelalter und frühe Neuzeit

Die geschichtlichen Anfänge der Stadt Grafenau liegen im Dunkel der Vergangenheit. Der erste schriftliche Nachweis über Grafenau stammt aus dem Jahre 1255. Der Handel mit Salz war für Grafenaus Entwicklung entscheidend. Sicherlich war Grafenau schon damals für Salzhändler ein gastlicher Rast- und Handelsplatz, als sie auf beschwerlichen Säumerpfaden der Gulden Straß das "weiße Gold" nach Böhmen transportierten.

Von großer Bedeutung für Grafenau war das 1150 bis 1195 erbaute Schloss Bärnstein, der spätere Verwaltungssitz. Nach dem Aussterben der Grafen von Hals fiel das Gebiet um Grafenau 1375 an Landgraf Johann I. von Leuchtenberg. Im Jahr 1395 zählte Grafenau 25 Lehen und 38 Söldenhäuser.

Am 14. Mai 1376 wurde auf Fürsprache des Landgrafen Johann I. von Leuchtenberg der „Markt genannt Grafenau, gelegen in dem Asanng“ wohl wegen seiner Bedeutung für den Handel mit Böhmen, durch Kaiser Karl IV. zur Stadt erhoben. Der Kaiser gewährte dem damals kleinen Städtchen die Gunst, als einzige Stadt im Bayerischen Wald ihren Hoheitsbereich mit Mauern abzugrenzen und Privilegien in Anspruch zu nehmen, die später das Gemeinwesen zu großer Blüte führten. 1417 gelangte die Stadt durch Kauf an die Grafen von Ortenburg und kam 1438 an die Herzöge von Bayern-Landshut.

Um 1468 wurde Grafenau durch Böhmen geplündert, die Guldenstraße unpassierbar gemacht. Die beiden Jahrmärkte wurden im 15. Jahrhundert um drei Ochsenmärkte ergänzt. 1508 erhielt Grafenau ein Wappen. 1580 wurde ein Handelsvertrag zwischen den Städten Grafenau und Schärding abgeschlossen.

Das 17. und 18. Jahrhundert

Als 1608 Bayern zugunsten des Hochstiftes Passau auf den Salzhandel mit Böhmen verzichtete, hatte das negative Auswirkungen. Während des Dreißigjährigen Krieges blieb Grafenau von Zerstörungen verschont, aber die Pest dezimierte 1634 und erneut 1649 die Einwohnerschaft. 1676 verwüstete ein Großbrand die Stadt, und 1742 wurde Grafenau durch die Panduren geplündert, Schloss Bärnstein in die Luft gesprengt.

Die Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt

Das 19. Jahrhundert

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zählte Grafenau 93 Häuser und war damit noch immer kleiner als während seiner Blütezeit im 16. Jahrhundert. 1806 wurde die Stadtpfarrei Grafenau errichtet. 1811 kam der Verwaltungssitz von Bärnstein nach Grafenau, 1862 wurden Bezirksamt und Amtsgericht eingerichtet.

Die Brände des 19. Jahrhunderts zerstörten die verbliebene mittelalterliche Bausubstanz. 1832 brannte die obere Stadt (45 Häuser), 1844 der südlichste Bezirk (24 Häuser) und 1850 die westliche Hälfte (58 Häuser). Die einstige Stadtmauer mit ursprünglich sechs Türmen verfiel.

Im April 1883 wurden in Grafenau beim Abriss der Stadtmauer 302 Pfenninge aus dem 14. und 15. Jahrhundert gefunden. Siehe: Münzfund Grafenau

Das 20. Jahrhundert

Das Gewerbe bestand bis zum Zweiten Weltkrieg aus Hammerwerken, Schneid- und Sägemühlen, Glasschleiferei, Papier- und Holzwarenfabrik, welche die Wasserkräfte der Kleinen Ohe nutzten. Nach dem Krieg entstanden zahlreiche Klein- und Mittelbetriebe, bei denen es sich fast ausschließlich um Zweigwerke handelte.

Der Tourismus wurde bedeutend ausgebaut. 1959 erhielt Grafenau die staatliche Anerkennung als Erholungsort, 1965 als Luftkurort. Zwischen 1961 und 1964 entstanden durch die Stiftung Hilfswerk Berlin am nördlich der Stadt gelegenen Schwaimberg 125 Ferienbungalows. Von 1964 bis 1974 verbrachten hier über 50000 Berliner Familien einen dreiwöchigen Urlaub.

1970 begann der Bau des 28 Hektar großen Sport- und Erholungsparks südöstlich der Stadt, dessen Mittelpunkt ein großer See ist. 1974 wurde das Freibad und 1975 das Hallenbad eröffnet. 1976 konnte Grafenau auf den 600. Jahrestag der Erhebung zur Stadt zurückblicken.

1991 wurde die Stadt Bergreichenstein (Kašperské Hory, CZ) Partnerstadt. 2001 wurde bereits das 625-jährige Jubiläum gefeiert.

Stadtwappen

Das Schildhaupt mit den Rauten erinnert an die wittelsbachischen Stadtherren. Die Zinnenmauer symbolisiert die Befestigungsanlagen und allgemein den Stadtstatus. Der Bär ist redendes Bild für die Herrschaft Bärnstein, zu der Grafenau gehörte. Das Wappen blieb weitgehend unverändert. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert wurde der Bär gelegentlich auch in ganzer Gestalt schreitend auf der Zinnenmauer dargestellt (Stich von Michael Wening, um 1700). Der noch junge Markt Grafenau in verkehrsgünstiger Lage am Goldenen Steig wurde 1376 auf Betreiben der Landgrafen von Leuchtenberg, der damaligen Inhaber der Herrschaft Bärnstein, durch Kaiser Karl IV. zur Stadt erhoben. Die Verleihung eines Wappens erfolgte erst 1508 während der kurzen Zugehörigkeit zum Fürstentum Pfalz-Neuburg durch Herzog Friedrich II., dem Vormund der Pfalzgrafen Ottheinrich und Philipp. Der Freiheitsbrief von 1510 bestätigte auch das Siegelrecht. Das 1510 geschnittene Siegel trägt jedoch irrtümlich die Jahreszahl 1501 in der Umschrift. Die ehemals selbstständigen Gemeinden Großarmschlag, Schlag und Haus im Wald führten bis zu ihrer Eingemeindung nach Grafenau 1972/1978 eigene Wappen.

Politik

Bürgermeister

Stadtrat

Der Stadtrat von Grafenau hat 20 Mitglieder (+ 1. Bürgermeister) und folgende Sitzverteilung:

Sehenswürdigkeiten

Ehemaliges Spital und Spitalkirche. Das Schnupftabak- und Stadtmuseum an der Spitalstraße in Grafenau feiert 2011 sein 30-Jähriges Jubiläum. Foto: Langesee

Kultur

Heavy Ride ist eine Rock 'n' Roll Band aus Grafenau, die 2007 gegründet wurde. Sie trägt seit 2009 den Titel "Beste Schülerband des Jahres"

Tourismus

Spezialität

Projekt "Tierisch Wild"

Am 1. Januar 2009 fiel der Startschuss für das über Interreg geförderte Projekt "Tierisch Wild", eine Kooperation von Naturschutz und Tourismus. 13 bayerische und neun böhmische Gemeinden, sowie die Nationalparke Bayerischer Wald und Sumava haben sich zusammengeschlossen, um die Stärken der Nationalparkregion optimal zu nutzen und miteinander zu kombinieren.
Patentier der Stadt ist der Bär.

Bildung und Erziehung

Vereine

  • Freiwillige Feuerwehr Grafenau
  • Bärenschützen Grafenau
  • Königlich-Privilegierte Feuerschützengesellschaft
  • Schützengesellschaft Eintracht Grafenau
  • Schützenverein Gemütlichkeit Grafenau
  • Schützengesellschaft Frohsinn
  • Arbeiterwohlfahrt und "Grafenauer Tafel" Ortsverband Grafenau
  • AZ Artgerechte Vogelhaltung und- zucht Ortsgruppe Grafenau
  • Bärenfunker Grafenau
  • Briefmarkenclub Grafenau
  • Bulldog-Oldtimer-Club Grafenau
  • Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg-Stamm Grafenau
  • Grafenauer Faschingsfreunde
  • Heimatverein Grafenau
  • Imkerverein Grafenau
  • Kath. Frauenbund Grafenau
  • Kolpingsfamilie Grafenau
  • Kulturverein Grafenau
  • Museumsverein Grafenau
  • Obst- und Gartenbauverein Grafenau
  • Pfarrcaritasverband Grafenau
  • Pro Grafenau
  • Ritterwaldverein Grafenau
  • Schachclub SC Grafenau
  • Soldaten- und Kriegerverein Grafenau
  • Vdk-Ortsverband Grafenau
  • Stadtkapelle Grafenau
  • Waldvereinssektion Grafenau
  • Badminton-Club Grafenau
  • Bayerwald Motosportclub Grafenau
  • Flugsportverein Grafenau
  • Flying Bears Grafenau
  • Guldensteig-Wanderer Grafenau
  • Radsportverein Grafenau
  • Reit-und Fahrverein Grafenau
  • Tennisclub Grafenau
  • TSV Grafenau 1862 e. V., einer der ältesten Sportvereine in Niederbayern
  • Wasserwacht Grafenau
  • Wintersportverein Grafenau

Gesellschaft

Die Gemeinde Grafenau ist neben den Gemeinden Saldenburg, Thurmansbang, Schönberg, Perlesreut, Ringelai, Fürsteneck, Röhrnbach und Hutthurm Mitglied im Seniorennetzwerk Ilzer Land, das sind in erster Linie die Intensivierung des Gemeinde-, Vereins- und Verbandsübergreifenden Informationsaustausches mit Sicherung seniorenfreundlicher Strukturen und Dienstleistungen zu Ziel gesetzt hat. Für 2010 liegt ein umfangreiches Programm vor.

Wirtschaft

Brauchtum

Einzug der Säumer

Säumerfest

Jedes Jahr versetzt sich die Stadt Grafenau beim Säumerfest zurück ins Mittelalter. Es erinnert an den Salzhandel auf der Gulden Straß zwischen Bayern und Böhmen. Grafenau lag an einer dieser goldenen Routen und war die letzte Station für die Säumer und ihre mit Salzfässern schwer bepackten Pferde vor dem beschwerlichen Weg über das bayerisch-böhmische Grenzgebirge.

Der Einzug der Säumer in Grafenau ist der Höhepunkt des Festes, das am Tag vor dem Grafenauer Fest mit einem Salzsäumerlager in der früheren Hofmark Haus im Wald beginnt. Am nächsten Tag macht sich der Säumertross über Schlageröd auf den Weg nach Grafenau, wo er vom Inneren und Äußeren Rat willkommen geheißen wird. 2009 wird eine Verlängerung des Festes auf Sonntag geplant.

Hog'n

Mit dem Hog'n läßt Lichteneck in der Gemeinde Grafenau einen alten Brauch wieder aufblühen.

Verfall der Stadtmitte

In drei Sendungen zeigte 2009 das Bayerische Fernsehen Szenen aus Grafenau. Mit ihnen sollte aufgezeigt werden, dass die Region stirbt. Anlass war die verkündete Schließung der Glasfabrik Riedlhütte. Die Bilder schockierten. Es machte den Eindruck, dass mehr Häuser leer stehen, als genutzt werden.

Lange wurde im Rathaus dieser Entwicklung weitgehend tatenlos zugeschaut. Jedoch steht Grafenau nicht allein da. Nicht nur in den Bayerwaldstädten „doudlt’s“, in allen bayerischen Regionen sterben die Innenstädte. Die Supermärkte siedeln sich verkehrsgünstig am Stadtrand an - da gibt es genügend Platz, auch für die Autos. Der Freistaat hat nun Förderprogramme aufgelegt, die dabei helfen sollen, den Untergang zu stoppen und neue Impulse zu setzen. Auch Grafenau hat sich darum beworben.

Bis zum Frühjahr sollen Ergebnisse vorliegen.

Verkehr

Literatur

Weblinks


Städte und Gemeinden im Landkreis Freyung-Grafenau
Wappen Landkreis Freyung-Grafenau.png

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