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Goldener Steig

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Die Säumerbrücke in Bruckmühl nahe Röhrnbach. (Foto: Steiml)
Ein Schiffszug zum Transport des Salzes, wie er im Museum Goldener Steig ausgestellt ist. (Foto: Steiml)
Hufeisen einen Saumpferdes aus dem 16. Jahrhundert, im Museum Goldener Steig.
Die Graineter Säumer.
Die Graineter Säumer ziehen durch den Hohlweg Sicklinger Berg–Hammer. (Foto: Heinrich)
Goldener Steig - Handelswege von Passau nach Böhmen
Der Plakatentwurf für das 1000-jährige Jubiläum.

Der Goldene Steig ist der historische Salzhandelsweg von Passau nach Prachatitz, Winterberg und Bergreichenstein. Erstmals wird er am 19. April 1010 indirekt in einer Waldkirchener Urkunde erwähnt. Bei dem dort aufgeführten Steig handelt es sich um jenen von Passau über Waldkirchen und den Haidel ins Böhmische nach Prachatitz. Erst später kamen in der Blütezeit Nebenstrecken hinzu. Diese Strecken wurden von den sogenannten „Säumern“ benutzt.

Auch heute trifft man häufig auf den Namen „Goldener Steig“, vor allem in den Landkreisen Passau und Freyung-Grafenau. Sowohl viele Gasthäuser und Straßenzüge der Region tragen diesen Namen wie auch Wanderwege, die als Teil des alten Handelsweges ausgewiesen sind. Es wird vermutet, dass auch die Nord-Süd-Ausrichten des Marktplatzes von Waldkirchen im 13. Jahrhundert durch den Handelsweg ausgelöst wurde.

Im Jahre 2010 wird in der Stadt Waldkirchen und in der ganzen Region das überregional bedeutsame Ereignis „1000 Jahre Goldener Steig“ aufwändig begangen.

In Passau erinnert seit 2014 die Skulptur „Leuchtender Kristall“ an den einst an dieser Stelle vorbeiführenden Steig.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Entstehung

Weil die Menschen in Böhmen im Mittelalter sehr viel Salz zur Konservierung von Fleisch benötigten, das wertvolle Mineral aber in dieser Gegend nicht vorkam, musste es aus den Salzlagerstätten in den Berchtesgadener und Salzburger Alpen eingeführt werden. Das Salz wurde zunächst auf Schiffen die Salzach und den Inn abwärts nach Passau transportiert. Von den dortigen Lagerstätten in der Ilzstadt holten es dann die Säumer aus dem Bayerischen Wald mit ihren Pferden ab und brachten es, zusammen mit verschiedenen anderen Waren wie etwa den berühmten Passauer Wolfsklingen, in einem Zwei-Tages-Marsch über insgesamt rund 80 Kilometer vor allem in die böhmischen Städte Prachatitz, Winterberg und Bergreichenstein. Auf dem Rückweg nahmen die Säumer böhmische Erzeugnisse, vor allem Getreide und andere landwirtschaftliche Produkte, mit.

Der Goldene Steig war im Mittelalter und bis in die Neuzeit hinein ein sehr stark begangener Handelsweg. Heute würde man ihn wohl als eine Länder verbindende Fernstraße bezeichnen, ein wirtschaftliches und kulturelles Bindeglied zwischen Bayern und Böhmen, dem heutigen Tschechien. Das exakte Alter dieses Weges lässt sich nicht eindeutig festlegen. Funde deuten laut Berndl darauf hin, dass er wahrscheinlich bereits von Kelten und Römern begangen wurde.

Ins Licht der Geschichte tritt er erstmals am 19. April 1010 durch die indirekte Erwähnung in einer Urkunde des im Jahre 1014 von Papst Benedikt VIII. heilig gesprochenen Kaisers Heinrich II., in welcher er dem Marienkloster Niedernburg zu Passau den gesamten Böhmischen Zoll zusichert. Dabei können laut Berndl nur die Mauteinnahmen aus dem Goldenen Steig gemeint sein, welche das Frauenkloster bis zur Säkularisation inne hatte.

Wegen der guten Einkünfte für die Säumer, aber auch für die Mautberechtigten und dem damit verbundenen Aufschwung der an ihm liegenden Orte wurde der Weg, auf dem das Salz aus Hallein von Passau ins salzlose Böhmen und umgekehrt Waren von dort nach Bayern transportiert wurden, als „gulden Steig“ bezeichnet.

Erstreckungsgebiet

Es handelt sich beim Goldenen Steig um ein weit verzweigtes Wegenetz, den die Benutzer des Pfades über die Jahrhunderte hinweg aus vielerlei Gründen den Verlauf immer wieder bestimmten Veränderungen und Notwendigkeiten angepasst. Gleich blieb aber zunächst für alle erlaubten Handelswege der Ausgangspunkt: Die Stadt Passau. Nach dem Übersetzen über Donau und Ilz ging es von der Ilzstadt aus über Grubweg bis Salzweg. Ab hier kam es im Laufe der Zeit zu verschiedenen Abzweigungen.

Der erste Goldene Steig durchquerte dieses Gebiet von Passau/Ilzstadt über Salzweg, Straßkirchen, Kringell, Großthamnensteig, Vendelsberg, Außernbrünst, Deching, Ernsting, Oberleinbach, Sickling nach Waldkirchen, dem Hauptort des Abteilandes, der ob seiner Bedeutung Mitte des 15. Jahrhunderts auf Geheiß von Fürstbischof Ulrich von Nussdorf auch mit einer einen Kilometer langen Ringmauer umgeben wurde. Waldkirchen bot den Säumern auf halbem Wege nach Prachatitz Herberge. Dann führte der Weg weiter über Böhmzwiesel, Fürholz, Grainet, über den Haidel, Leopoldsreut und Bischofsreut ins Böhmische nach Böhmisch Röhren, Wallern und Pfefferschlag nach Prachatitz. Das ist der „Ur-Steig“ sozusagen.

Es war deswegen der meist begangenste und wichtigste Weg von Passau nach Prachatitz, denn schließlich saßen dort die reichen Handelsherren, die die wertvollen Waren von hier aus mit entsprechendem Gewinn über fast das gesamte Land bis hinein nach Prag weiter verhandelten.

Ab dem 14. Jahrhundert entstanden dann noch zwei wichtige Abzweigungen vom alten Prachatitzer Weg, die andere Zielorte ansteuerten: Um 1300 etwa trennte sich zwischen Deching und Ernsting ein Zweig und führte über Dorf Hauzenberg, Wotzmannsreut, Reut, Promau, Winkelbrunn, Hinterschmiding nach Obermoldau und weiter nach Winterberg. Dieser Saumweg veränderte ab etwa 1600 in einem Teilbereich seinen Verlauf und führte über Röhrnbach, Freyung, Oberndorf nach Hinterschmiding.

Schließlich wurde um 1350 ein weiterer Saumweg durch das Lusengebiet ausgeforscht, der bei Vendelsberg und Salzgattern den Prachatitzer Weg verließ und über Bruckmühl, Röhrnbach, Rumpenstadl, Harsdorf, Solla, Freyung, Mauth, über das Gefilde in das durch den Goldbergbau bedeutende Bergreichenstein führte.

Der Gewinn, den vor allem der Vertrieb von Salz abwarf, erweckte selbstverständlich auch Neid und Begehrlichkeiten. Und so kam es, dass Ende des 14. Jahrhunderts versucht wurde, den Saumhandel auf bayerischen Boden zu leiten und auf der Gulden Straß von Passau über Hals, Tittling und Grafenau nach Böhmen zu führen. Dieser raffiniert ausgedachte Schachzug scheiterte aber relativ schnell wieder. Die politische Lage war zu instabil.

Der Vollständigkeit halber soll hier noch ein weiterer mittelalterlicher Weg angeführt werden, den es in das Geflecht der Goldenen Steige einzufügen gilt: Die Klafferstrass. Dieser Weg führte einerseits von Waldkirchen aus über den Sicklinger Berg, Röhrnbach und Perlesreut ins Bayerische und in die andere Richtung ging es über Pollmannsdorf, Ratzing, Oberndorf, Reichling, Jandelsbrunn durch den Klafferwald nach Schlägl und durch das Plöckensteiner Gebiet ins südliche Böhmen nach Oberplan. Auch auf diesem Weg wurde Salz transportiert. Aber vor allem wurden auf ihm riesige Ochsenherden von Ungarn nach Bayern getrieben.

Wegebeschaffenheit

Der überwiegende Teil der Steige stellte sich wohl als steiniger, holpriger, relativ schmaler Pfad dar. Immer wieder schwemmten heftige Niederschläge das von den vielen Pferden locker getretene Erdreich fort. Die Wege wurden zunehmend eingetieft. Streckenweise entstanden mächtige Hohlwege, die vielerorts heute noch deutlich erkennbar sind. Man nennt sie „Geleise“. Oftmals sind zwei, drei oder mehr solcher Geleise relativ dicht nebeneinander. Das hat verschiedene Gründe: Manchmal wurde ein Abschnitt unpassierbar oder es galt umgestürtze Bäume und Felsbrocken zu umgehen. Vielleicht zwang auch der "Gegenverkehr" zu kleinräumigen Ausweichrouten, denn die Wege waren schmal und ein bepacktes Saumpferd benötigte der Breite nach gut 1,50 Meter. Begegnungsverkehr war hier durchaus problematisch. Der Goldene Steig wurde dann eben streckenweise „mehrspurig“.

Kriege und die Pest

Auch Kriege oder die Pest beeinflussten den Handel auf dem Goldenen Steig. In Friedenszeiten, wenn es den Menschen gut ging und in der Folge die Bevölkerung zahlenmäßig zunahm, stieg der Bedarf an den verschiedensten Handelsgütern und somit wuchs allgemein die Nachfrage. Und das wiederum bedeutete ein Anschwellen des Verkehrs auf den alten Steigen.

Nach dem Husseitenkrieg war so manche Burg, die vorher dem Schutz des Steiges diente, zu einem üblen Raubnest verkommen. Um weitere Einfälle der als Ketzer bezeichneten Hussiten zu verhindern, wurde der Goldene Steig, den diese immer wieder für ihre Überfälle benutzen, regelrecht verrammelt. Über weite Strecken wurden Bäume über die Pfade gefällt, die somit unbegehbar wurden. Damit kam aber auch der Handel völlig zum Erliegen. Prachatitz[[, hussitisch und damit ketzerisch geworden, verlor vorübergehend seine Bedeutung. Diesen Umstand wusste das damals bayerische Schärding geschickt zu nutzen und baute einen Handelsweg aus, auf dem das begehrte Salz über Obernzell und Aign nach Böhmen transportiert wurde.

Erst als Prachatitz um 1500 an die hoch angesehenen und reich begüterten Rosenberger kam, änderte sich die Lage bald wieder grundlegend. Der Goldene Steig erlangte in wenigen Jahren erneut seine alte Bedeutung zurück. Es folgten gar die Jahrzehnte, die man im Nachhinein als Blütezeit bezeichnete: Friedenszeiten, bescheidener Wohlstand.

Stark gelitten wurde in der Bevölkerung unter den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges zwischen 1618 un 1648. Das gefürchtete „Passauer Kriegsvolk“ galt es zu versorgen und zu dulden. Die Säumer transportierten gezwungenermaßen nur noch Verpflegung, Waffen, Munition und was sonst noch für den Krieg gebraucht wurde von Passau nach Böhmen.

Es gab auch wiederholt Truppendurchzüge während des Dreißigjährigen Krieges auf dem Goldenen Steig. Den kaiserlichen Soldaten diente er als Aufmarsch- und Nachschubweg. Entlassene Söldner und anderes übles Kriegsvolk zog unkontrolliert, raubend und plündernd durch das Land und verbreitete Angst und Schrecken. Die Säumer mussten alle ihre Pferde abgeben. Das brachte viel Not und Elend in die gesamte Gegend. Nach dem Krieg war der Goldene Steig dermaßen verkommen, dass er kaum mehr zu benutzen war.

Ähnlich verheerend auf den Saumverkehr und seine Umgebung wirkten sich die fürchterlichen Seuchen aus, die in Abständen epidemisch auftraten. In erster Linie wurden die Säumer beschuldigt, die Pest immer wieder einzuschleppen. Deshalb wurde 1625 der Goldene Steig gesperrt und somit jeglicher Saumverkehr verboten. Den Säumern war es bei Androhnung drakonischer Strafen untersagt, Städte und Märkte zu betreten oder gar Häuser und Schänken aufzusuchen. Handelsgeschäfte durften nur mehr im Freien abgewickelt werden. Alles umherziehende Volk stand unter Generalverdacht, die Seuche weiterzutragen.

Wenn dann aber eine Pestepidemie überstanden war, stellten die, die ohne Schaden an Leib und Leben davon gekommen waren oftmals zum Dank oder als Bitte um weitere Verschonung vor einer erneuten Heimsuchung steinere Votivzeichen auf, so genannte Pestsäulen. Nachdem im ehemaligen Abteiland die Pest oft und grausam wütete, findet man vor allem entlang der Goldenen Steige am Rand der Dörfer und Märkte solche Mahnmale recht zahlreich.

Einfluss äußerer Bedingungen

Eine große Rolle im Saumverkehr spielten natürlich die Jahreszeiten. Im Winter ging nahezu gar nichts. Einige haben ihre Waren auf Schlitten gepackt und sind bei geringer Schneehöhe durch die Wälder gezogen. Zur Schneeschmelze, zeitig im Frühjahr war ein Durchkommen kaum möglich.

Im Sommer konnten dann höchstens lange Regenperioden, heftige Unwetter oder Stürme mit entsprechenden Windbrüchen die Säumer aufhalten oder zu Unterbrechungen zwingen. Vorsorglich wurde dann die Salzladung mit Öl und Wachs getränktem Leinen vor Feuchtigkeit geschützt. Die günstigste Jahreszeit zum Säumen war sicherlich der Herbst. Das Wetter war relativ beständig, die Feldarbeit war getan, die eigene Ernte in der Scheune und das Getreide, das man aus Böhmen als Gegenladung zurückführte, lag ausgedroschen in großen Mengen bereit. Im Herbst war wohl der meiste Betrieb auf den Steigen.

Die Gründe für weiträumige Veränderungen sind vielschichtig. Sie hängen wohl auch mit der Entstehung neuer Siedlungen, mit dem Gewinn von Rodungsflächen, mit Naturereignissen, bestimmt auch mit politischen Geschehnissen, wirtschaftlichen Erwägungen oder kriegerischen Auseinandersetzungen zusammen. Unerlaubte Nebenwege entstanden vor allem, um den Abgaben an den Mautstellen zu entkommen. Wenn auch immer wieder erklärt wurde, dass diese „Steuern“ – ähnlich wie heutzutage die Kfz-Steuer –, überwiegend zur Instandhaltung der Wege, Brücken, Tränken und für den Schutz der Säumer verwendet wurde.

Was die Wegführung des Goldenen Steiges, so darf man die großen klimatischen Veränderungen nicht außer Acht lassen. Zwischen 800 und 1000 war es in unserer Gegend recht feucht und kühler als heute. Beste Voraussetzungen für das Entstehen dichter Urwälder. Dagegen überstiegen die Temperaturen zwischen etwa 1100 und 1350 im Jahresdurchschnitt unsere heutigen Werte ganz wesentlich. In der Folge wurde sogar Wein angebaut. Der Boden trug mehr Früchte, die Ernten wurden ertragreicher. Die Bevölkerung nahm zu. Die Rodungen wurden verstärkt vorangetrieben. Nicht nur auf den Höhen entstanden freie, große Heideflächen. Ab dann jedoch sank die Temperatur wieder kontinuierlich. Bis etwa 1550 wurde es wieder ständig kälter und feuchter.

Diese klimatischen Veränderungen und der damit einhergehende Umbau in der Natur hat auch den Handel bewogen.

Versorgung der Säumer

Im Laufe der Zeit wurden die Versorgungsplätze, die Wirtshäuser und Herbergen entlang der Goldenen Steige immer mehr. Vermutlich gab es auch damals schon Unterschiede in der Qualität der Quartiere, verbrachten wohlhabende Handelsherrn mit ihrer Begleitung und der wertvollen Handelsware die Nächte in der Regel lieber in gut gesicherten, komfortableren Häusern, als zusammen mit dem rauen, derben „Säumervolk“ in den einfachen Unterkünften und Lagerplätzen. Große Anstrengungen mussten außerdem unternommen werden, um die zahlreichen Menschen und Saumtiere ausreichend mit Nahrungsmitteln zu versorgen. So entstanden entlang der Goldenen Steige rasch immer mehr Siedlungen.

Etwa ab dem 11. Jahrhundert setzt eine große Rodungsbewegung ein, die Grundlage für den Landesausbau war. Infolge des zunehmenden Bevölkerungsdrucks und der wachsenden, sozialen Mobilität besonders in den unteren Schichten entstanden immer mehr Straßendörfer. In die Neusiedelgebiete lockte man viele bäuerliche Menschen mit einigen bedeutsamen Zusagen, wie einer längeren Abgabenfreiheit, einem verbesserten Besitzrecht oder persönlicher Freizügigkeit.

Im 13. Jahrhundert setzte sich das Waldhufendorf als Siedlungsform weitgehendst durch. Zahlreiche Anwesen wurden aber auch als Lehen vergeben. Das bedeutete zwar nicht Besitz, immerhin aber ein vererbbares Nutzungsrecht, für das jährliche Abgaben zu entrichten waren. In der Regel waren zehn Prozent des jährlichen Ertrages an den Grundherrn und zeitweise weitere zehn Prozent an die Kirche abzuführen. Je nach Höhenlage wurde vor allem Weizen, Gerste, Hafer, Linsen, Hirse (Brein) und Kraut angebaut. Und das in Form der Drei-Felder-Wirtschaft. Das bedeutete, dass jeder Acker zwei Jahre hintereinander unterschiedliche Früchte trug, ehe er im dritten Jahr, sozusagen zur Erholung, brach lag.

Noch weit aufwändiger war wohl die Versorgung der vielen Lasttiere. Rund alle fünf Kilometer musste, zumindest bei anstrengenden Bergstrecken, eine Rast eingelegt werden, stand wohl eine Tränke bereit.

Schutz & Sicherheit

Der Wert der Fracht erweckte Begehrlichkeiten bei räuberischem Gesindel. Immer wieder wurde von Überfällen berichtet. Die dichten, stellenweise undurchdringlichen Urwaldgebiete schützten nicht nur Wegelagerer vor Verfolgung, boten darüber hinaus viele Möglichkeiten für einen Hinterhalt und waren bestens geeignet als Versteck. Darin lebten auch wilde Tiere, Bären, Wölfe, von denen Säumer gelegentlich angefallen wurden. Zum Verhängnis konnten aber auch Unfälle werden, der Sturz von Mensch und Tier weitab von menschlichen Siedlungen. Heftige Unwetter, überraschend hereinbrechende Schneestürme konnten in der Weite der Wälder, in der Einsamkeit durchaus lebensbedrohlich werden.

Alleine unterwegs zu sein war nicht ratsam, stellte ein ungeheueres Wagnis dar, potenzierte die Gefahren. Deshalb schlossen sich die Säumer in der Regel zu einer mehr oder weniger großen Gruppe, zu Saumzügen zusammen. Gemeinsam konnte man den Gefahren, die da auf dem langen Weg lauerten, weit besser begegnen, war gegenseitige Hilfeleistung im Ernstfall die beste Gewähr für das Gelingen der Unternehmung.

Nach den Hussitenkriegen, also nach Mitte des 15. Jahrhunderts, entstanden viele Nebenwege, Schleichwege, die vor allem dazu dienten, die Mautplätze zu umgehen, um die Abgaben zu vermeiden. Derlei verbotene Schmuggelpfade waren durch Verbotstafeln kenntlich gemacht. Wurden diese missachtet wurden Ross und Ladung konfisziert. Um dieser „Steuerflucht“ wirksam zu begegnen, wurden „Überreiter“ vulgo „Saumweg-Polizei“ eingesetzt.

Auch bauliche Maßnahmen wurden ergriffen. So ließ die Grundherrschaft an geeigneten Stellen Burgställe errichten, einfache, meist aus Holz gezimmerte, einem Wehrturm ähnliche Befestigungen an exponierter Stelle. Von hier konnten die wenigen Bewaffneten einen relativ weiten Streckenabschnitt einsehen, Gefahren erkennen und bei Bedarf zum Schutz der Säumer eingreifen. Von solchen Anlagen sind noch spärliche Reste zum Beispiel bei Bärnreut oder auf dem Ochsenfelsen nahe Saßbach zu erkennen. Ähnliche Anlagen gab es auf böhmischer Seite.

Wie das Salz nach Passau kam

Das salzlose Böhmen musste auf dem Goldenen Steig mit Salz versorgt werden. Doch Salz gibt es grundsätzlich nur im Meer. Im Laufe der Jahrmillionen veränderte sich unsere Erde ständig, weite Gebiete hoben und senkten sich, riesige Meeresteile wurden von ihren Zuläufen abgeschnitten, das Wasser verdunstete und zurück blieben oftmals mehrere Kilometer dicke Salzschichten. In den darauf folgenden Jahrmillionen wurde die Salzfläche von Sand und Erde zugeweht, Gletscher und Flüsse lagerten riesige Geröllschichten darüber ab. Unter diesem enormen Gewicht wurde das körnige Salz zu festen, steinharten Salzstöcken gepresst. Steinsalz. Von Gestein fest eingeschlossen lagert so seit ca. 250 Millionen Jahren das Salz des Urmeeres in einer ungeheueren Mächtigkeit auch unter den bayerischen und österreichischen Alpen.

Salzgewinnung

Salz kann im Wesentlichen auf drei Arten gewonnen werden: Indem man in flachen Becken Meerwasser verdunsten lässt (Meersalz), durch bergmännischen Abbau aus Salzlagerstätten (Steinsalz) oder durch das Auslaugen des Salzes. Dabei werden Hohlräume aus den Salzstöcken geschlagen, die darauf mit Wasser gefüllt werden. Dieses löst das Salz aus dem Gestein. Es entsteht die so genannte Sole, die aus dem Berg geleitet in Sudpfannen erhitzt wird. Das Wasser verdunstet und übrig bleibt Salz.

Zur Befeuerung der vielen Sudpfannen waren ungeheuere Mengen Holz vonnöten. Riesige Wälder wurden abgeholzt, weite Gebiete schlugen die Holzknechte kahl. Zwangsläufig zogen die Sudhäuser deshalb immer wieder um, zogen dem Holz, dem Wald nach. Die Salzlauge, die Sole, wurde deshalb in Holzröhren viele Kilometer von den Bergwerken zu den Sudpfannen geleitet. Eine kluge Erfindung, sozusagen die ersten Pipelines.

Herstellung

Das Salz, das auf dem Goldenen Steig transportiert wurde, stammte in der ersten Zeit aus der leistungsfähigsten Saline der Ostalpen, aus Reichenhall, und kam dann später aus Hallein und Schellenberg. Im 16. Jahrhundert, der Blütezeit des Goldenen Steiges, wurden in Reichenhall und Hallein jährlich bis zu 36.000 Tonnen Salz produziert.

War das Wasser in den Sudpfannen eingedampft, hatte sich eine dicke Salzkruste gebildet, die darauf zerstoßen und in Kufen gefüllt wurde. Diese, ähnlich gebaut wie Holzfässer, fassten etwa 1,5 Zentner Salz. Die Kufen wurden dann auf Salzschiffe verladen und auf dem Wasserweg über Salzach und Inn nach Passau transportiert. Mit Öl und Wachs getränkte Stoffbahnen zurrte man über die kostbare Fracht, um sie vor Regen und Spritzwasser zu schützen.

Transport

Der Wasserweg war zweifellos kostengünstiger und schneller als der Transport auf den schlechten Straßen. Außerdem hatten die Schiffe ein erstaunliches Fassungsvermögen. Bis zu 65 Tonnen konnten sie aufnehmen. Die hölzernen Salzplätten, die von erfahrenen Schiffsleuten, vor allem aus Lauffen und Burghausen, gesteuert wurden, legten flussabwärts pro Tag etwa 40 Kilometer zurück. Bei der Rückfahrt schaffte man höchstens 15 Kilometer, denn da mussten die meist mit Getreide schwer beladenen Zillen von Pferden mühsam flussaufwärts gezogen werden.

Die Fahrt auf den Flüssen war sehr gefährlich. Sandbänken, Felsen und Brückenpfeilern galt es auszuweichen, Wasserstrudel, Nebel, Regen, Schnee und Eis erschwerten und behinderten den Transport. Bei Hochwasser und im Winter, wenn der Eisgang zu heftig wurde, musste die Schifffahrt ganz eingestellt werden.

Ankunft in Passau

Wenn alles gut ging, wurden die Schiffe in Passau angelandet, im ruhigen Wasser hinter dem weit in den Inn ragenden Felsvorsprung, auf dem der trutzige Schaiblingsturm steht. Salzträger schleppten dann die schweren Kufen in den großen Salzstadel, wo die kostbare Ware zunächst eingelagert wurde. Passau besaß nämlich ein wirtschaftlich bedeutsames Privileg, das Salzniederlagsrecht. An Passau durfte sozusagen kein Salzschiff vorüber fahren. Die Fracht musste zunächst hier zum Kauf angeboten werden.

Über das Jahr verteilt und je nach Bedarf wurde das Salz dann wieder aus dem Lagergebäude geholt und mit speziellen Zillen, den Überfuhrmutzen, in die Ilzstadt transportiert. Hier waren die Herbergen mit den Stallungen, da standen schon die Säumer mit ihren Pferden bereit, um die wertvolle Fracht zu übernehmen und auf unterschiedlichen Wegen ins salzlose Böhmen zu bringen.

Niedergang des Salzhandels

Als 1526 Böhmen in den Besitz der Habsburger gelangte, war das Ende des Passauer Salzhandels eigentlich schon vorgezeichnet. Denn es war absehbar, dass die Österreicher alles versuchen würden, Passau aus diesem so einträglichen Geschäft zu drängen.
Der zweite Grund liegt in dem Bestreben des Herzogs von Bayern, den ertragreichen Salzhandel nach Böhmen auf sein Gebiet zu ziehen.

Bereits Ende des 16. Jahrhunderts waren immer weniger Saumpferde auf den Steigen unterwegs, da das Hoheitsgebiet des Fürstbistums Passau immer öfter umgangen wurde. Auf bayerischem Boden, in der Hofmark St. Nikola unmittelbar vor den Toren Passaus, ließ der Herzog einen Salzstadel errichten, von dem aus das Salz auf der Gulden Straß über bayerisches Gebiet nach Grafenau und von dort weiter nach Böhmen transportiert wurde.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurden ein wirksames Mittel eingesetzt um den Handel zusätzlich zu erschweren oder ganz zu unterbinden: Es wurden Schutzzölle erhoben auf bayerisches und Passauer Salz. Diese wurden innerhalb kurzer Zeit so gewaltig erhöht, dass sich der Salzhandel auf den Steigen nicht mehr rentierte und schließlich ganz zum Erliegen kam.

Der Spanische Erbfolgekrieg löste schließlich das endgültige Ende des Goldenen Steiges aus. Kaiser Joseph I. stellte die Einfuhr bayerischen und Passauer Salzes unter hohe Strafe. Im Wiederholungsfall drohte sogar die Todesstrafe. Linz wurde zum einzigen Salzstapelplatz und gleichzeitig verlor Prachatitz dieses Privileg.

Zwar gingen danach noch andere Waren in vereinzelten Saumzügen ihren Weg über das Grenzgebirge nach Böhmen, aber das Hauptgeschäft, der Salzhandel, war verloren gegangen. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts sank der Goldene Steig bis zur Bedeutungslosigkeit herab. Eine Katastrophe für die gesamte Region und ihre Bewohner. Die Existenzgrundlage war für viele Berufe stark eingebrochen oder fehlte nun völlig. In der Folge blühte der Schmuggel.

Zahlen und Fakten

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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