Festspiele Europäische Wochen Passau

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Der gelbe Engel, das Logo der EW.

Die Festspiele Europäische Wochen Passau (oder kurz: Europäische Wochen) sind das größte Kulturfestival in Ostbayern, Böhmen und Oberösterreich. Sie wurden im Jahr 1952 von amerikanischen Offizieren in Zusammenarbeit mit der Stadt Passau gegründet und finden seither alljährlich von Mitte Juni bis Ende Juli statt. Seit 2012 stehen sie unter der künstlerischen Leitung von Peter Baumgardt. Veranstalter sind die Festspiele Europäische Wochen Passau e.V. unter Vorstandsvorsitzendem Willi Schmöller.

Seit 1999 sind die Festspiele Mitglied der Association Européenne des Festivals. Mit der ehrenvollen Aufnahme in diesen Verband gehören die EW zu dem Kreis der 94 bedeutendsten europäischen Kulturfestivals.

Laut der Jury der Veranstaltungsreihe 365 Orte im Land der Ideen 2007 sind die Europäischen Wochen das „spartenreichste Kulturfestival in Deutschland“.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Peter Baumgardt, seit 2012 Intendant der Europäischen Wochen. (Foto: Fischer)

Die Europäischen Wochen sind das erste Festival, das sich im Nachkriegsdeutschland dem Europagedanken verschrieben hat, das heißt nicht nur kulturelle, sondern auch politische Ziele verfolgte und bis heute verfolgt. Darüber hinaus ist es das erste deutsche Festival, dem es zur Zeit des Kalten Krieges und der ideologischen Spaltung Europas immer wieder gelang, gerade Künstlern Mittel- und Osteuropas eine Plattform zur Darbietung ihrer Kunst zu bereiten und den Eisernen Vorhang durchlässiger zu machen.

Sie haben außerdem als erste im Nachkriegsdeutschland den Gedanken einer Festspielregion verwirklicht. Das heißt, dass die Festspiele nicht nur an einem einzigen Ort stattfinden, sondern als Veranstaltungsraum eine ganze Region miteinbinden. Damit erstrecken sich die Festspiele mit ca. 20 Veranstaltungsorten heute über einen Raum von um die 8.400 km² und finden in den Landkreisen Passau, Deggendorf, Freyung-Grafenau, Regen, Straubing und Altötting, in den Bezirken Schärding und Grieskirchen sowie in den Bezirken West- und Südböhmen statt. Damit sind die EW auch das einzige Festival in Europa, neben den Musikfestspielen Saar, das in drei europäischen Staaten stattfindet (Deutschland, Österreich, Tschechien).

Dem kulturellen Sendungsbewusstsein des amerikanischen Offiziers und Leiters der amerikanischen Konsulatsaußenstelle sowie Direktors des Amerikahauses in Passau, Robert Marvel Allen, verdankt Passau die Initialzündung und schließlich die Gründung der Festspiele Europäische Wochen, die erstmals im Herbst 1952 stattfanden. Als erster Geschäftsführer wurde Franz Müller, der Leiter des Messeamts in Passau, bestellt, der zwei Jahre lang die Festspiele leitete. Die Stadt war der Träger. 1954 übernahm die Stadt selbst das Management und gründete einen Arbeitsausschuss, der für das Programm sorgen sollte. Josef Wirnhier wurde der Geschäftsführer der Europäischen Wochen. Das große Defizit der damaligen Organisationsstruktur war, dass der Stadtrat alljährlich beschloss, ob und wie die Festspiele weitergeführt werden sollten - und dadurch große Planungsunsicherheit herrschte. Dazu kam, dass Passau mit seinen Kulturausgaben am Ende war. 1956 steuerten die Festspiele in ein Finanzdefizit, wollte noch einen letzten Versuch mit Johannes Klein als Intendanten mit kaufmännischer Verantwortung nehmen. 1957 saß die Stadt auf einem Festspiel-Defizit von 245.000 DM, Klein wurde entlassen und „die Lust des Stadtrats, diese Veranstaltung nächstes Jahr weiterzuführen sei ziemlich geschwunden“, hieß es. Im Dezember 1959 beschloss der Stadtrat (ohne Gegenstimme!) die EW nicht mehr durchzuführen. Nach den großen Defiziten gründete sich 1960 der Trägerverein Festspiele Europäische Wochen Passau e.V. auf Initiative von Passauer Bürgern, der seither die Festspiele durchführt. Zu den Gründungsmitgliedern zählten: Bürgermeister Adolf Höllinger, Hermann Freiherr von Moreau, der Kirchenhistoriker Prof. Josef Oswald, der Kulturreferent der Stadt Hans Hirsch, der Oberlehrer i. R. Max Matheis, der Studienrat Josef Höfler, der spätere Landtagsabgeordnete Anton Hochleitner, Gottfried Schäffer, die Leiterin des Passauer Volkschors Marthl Prennel-Tomischka sowie der PNP-Redakteur Horst Paul Heller. Dieser Kreis bestimmte Hermann von Moreau zum ersten Vorsitzenden. Die Stadt zog sich aus ihrem organisatorischen Engagement völlig zurück. Am 2. September 1960 erklärte sie formell ihren Rückzug und übertrug dem Verein die Ausrichtung der Festspiele.

1966 übernahm Walter Hornsteiner den Vereinsvorsitz, ehe er von 1970 bis 1994 als Intendant wirkte. Ihm zur Seite standen ab dieser Zeit als Vorstandsvorsitzender des Vereins, Anton Hinterdobler, und als Schatzmeister Erwin Kapfhammer von der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Unter Hornsteiners künstlerischer Leitung erfolgte die Öffnung der Europäischen Wochen nach Osten, die konkret mit der Begründung und Pflege kultureller Kontakte mit ost- und südeuropäischen Ländern verbunden war. Der europäische Gedanke galt schon seit Begründung der Europäischen Wochen 1952 als Leitmotiv, richtig mit Leben erfüllt wurde dieses aber erst unter Hornsteiner. Damit wurde unter schwierigsten Bedingungen ein wesentlicher Beitrag zur Überwindung des Eisernen Vorhangs geleistet.

1994 ging mit dem Abschied Walter Hornsteiners eine Ära zu Ende, eine neue begann. Der damalige Vorsitzende der Geschäftsführung der ZF Passau, Hans-Georg Härter, wurde zum neuen Vorstandsvorsitzenden gewählt. Als Ehrenvorsitzender und Förderer ist er den Europäischen Wochen bis heute aufs engste verbunden, obwohl ihn seine berufliche Laufbahn bis zum Vorstandsvorsitzenden der ZF nach Friedrichshafen führte. An seiner Seite übernahm Dr. Pankraz Freiherr von Freyberg das Amt des Intendanten. Schon in seiner Münchner Zeit hat er im Rahmen des Festivals „Europa musicale“ für ein Europa des gegenseitigen Vertrauens, der Achtung und der Freundschaft geworben und war somit der ideale Kandidat für das Amt des Künstlerischen Leiters hier in Passau. Er war es, der gleich zu Beginn seiner Amtszeit den EW-Engel, der für den Genius der Kunst steht, als neues Symbol für die Europäischen Wochen einführte, das bis heute Bestand hat. Aber nicht nur mit der Umsetzung dieses Ziels führte er die Festspiele zu neuer Blüte.

Als erstes ist dabei sicherlich die breitere wirtschaftliche Basis zu nennen. Im Zeitraum von 1994 bis 2010 konnte er die Zahl der Sponsoren von 10 auf über 250 steigern. Außerdem sorgte er, wie bereits angedeutet, für eine Runderneuerung des Erscheinungsbildes. Er machte die Festspiele zum spartenreichsten Festival in Deutschland, das sich außerdem jedes Jahr einem neuen Thema widmet. Hinsichtlich der mitwirkenden Künstler setzte er wie Walter Hornsteiner von Anfang an nicht nur auf internationale Stars, sondern gab auch vielen unbekannten, insbesondere jungen Künstlerinnen und Künstlern die Chance, vor großem Publikum aufzutreten. Er schaffte es aber außerdem, Jahr für Jahr hochkarätige Schirmherrn und Festredner zu gewinnen. Ein weiteres Verdienst liegt in der Förderung der zeitgenössischen Musik, was sich in der Vielzahl von Auftragskompositionen und Auftragswerken widerspiegelt. Durch die grenzüberschreitende Einbeziehung nicht nur Oberösterreichs, sondern auch Süd- und Westböhmens hat er die Europäischen Wochen überdies zum einzigen Festival in Europa (neben den Musikfestspielen Saar) gemacht, das in drei europäischen Ländern stattfindet. So rief Dr. Pankraz Freiherr von Freyberg 1997 den so genannten „Traumtag in Böhmen“ ins Leben, d. h. einen Tag mit mehreren Veranstaltungen der Europäischen Wochen in Südböhmen. Ziel war es hierbei unter anderem, Neugier auf das Nachbarland bei den Besuchern der Festspiele zu wecken, auf die Schönheiten der böhmischen Landschaft und die kunsthistorisch bedeutsamen Kirchen und Schlösser aufmerksam zu machen und auch mitzuhelfen, Begegnungen zwischen den Menschen diesseits und jenseits der Grenze zu ermöglichen. Der Institution dieses „Traumtages“, der bis heute besteht, folgte in den Jahren 2003 und 2004 die Institution eines zweiten „Traumtages“ in Westböhmen. Nach wie vor sind die „Traumtage in Böhmen“ ein Magnet für die Besucher der Festspiele. Nachdem der Intendant der Europäischen Wochen zu Beginn seiner Amtszeit davon hörte, dass zwei Glocken der ehemaligen Klosterkirche Zlatá Koruna, des heute sehr beliebten Veranstaltungsortes der Festspiele, während des Zweiten Weltkrieges von deutschem Militär eingeschmolzen worden waren, initiierte er unter den Festspielbesuchern 1997 eine Spendenaktion, aus deren Erlös (12.000 DM) 1998 die erste Glocke bei der Glockengießerei Perner in Passau gegossen werden konnte. Sie wurde noch im gleichen Jahr als Zeichen der Freundschaft an die Gemeinde und Kirchengemeinde Zlatá Koruna übergeben. Sie trägt die Inschrift „Für Freiheit, Frieden und Freundschaft in Europa“ und wurde von Dr. Antonin Liška, dem Bischof von Budweis, am 15. August 1998 geweiht. Für die Finanzierung der zweiten Glocke sammelte Dr. Pankraz Freiherr von Freyberg in den Jahren 2000 und 2001 bei den Festspielbesuchern in Südböhmen und Passau 9.000 DM. Durch die großzügigen Spenden konnte auch die zweite Glocke im Jahr 2002 in Passau übergeben werden. Sie trägt die Inschriften „Die Lebenden rufe ich, die Toten beweine ich, die Blitze breche ich“ und „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind“. 2003 wurde die noch vorhandene dritte Glocke aufgrund weiterer Spenden der Besucher der Europäischen Wochen restauriert.

Künstlerische Leiter / Intendanten

Sponsoren

Die Europäischen Wochen konnten unter der Intendanz von Dr. Pankraz Freiherr von Freyberg die Zahl ihrer Zuschussgeber und Sponsoren von 10 (1994) auf 253 (2010) anheben. Damit erreichen die reinen Sponsorenbeiträge (Geld- und Sachspenden) nun insgesamt eine Höhe von 571.686,20 € (im Vergleich zu 99.000 DM im Jahr 1994). 2011 übertraf er seinen rekord noch einmal mit 700 000 Euro Sponsorengeldern.

Übersicht

Im Jahr 1995 hat der damals neue Intendant Dr. Pankraz Freiherr von Freyberg eine Themenausrichtung bei den Festspielen eingeführt. Diese ist bis heute üblich. Damit sind die Europäischen Wochen das einzige Festival in Deutschland mit einer derart großen Anzahl von Kunstsparten (Oper, Oratorium, Orchester-, Chor- und Solokonzert, Liederabend, Theater, Lesung, Film, Ausstellung sowie mit Vorträgen und einem Gesprächsforum), das sich jedes Jahr einem neuen Thema widmet.

Hier eine kurze Übersicht der bisherigen Mottos seit 1995:

Persönlichkeiten

Schirmherren

  • 1995: Dr. Jacques Santer
  • 1996: Lord Yehudi Menuhin
  • 1997: Krzysztof Penderecki
  • 1998: Jacques Chirac sowie Roman Herzog
  • 1999: Mikis Theodorakis
  • 2000: Václav Havel
  • 2001: S.K.K.H. Dr. Otto von Habsburg
  • 2002: Arthur Miller
  • 2003: Luciano Berio
  • 2004: Reiner Kunze
  • 2005: Peter Härtling
  • 2006: Edita Gruberova
  • 2007: Oleg Popov
  • 2008: Sofia Gubaidulina
  • 2009: Fürst Karl zu Schwarzenberg
  • 2010: Dr. Dr. h.c. Hildegard Hamm-Brücher, Staatsministerin a. D.
  • 2011: Dr. h.c. mult. Joachim Gauck, Vorsitzender der bundesweiten Vereinigung Gegen Vergessen - Für Demokratie e. V.

Festredner

  • 1995: Andrzej Szczypiorski
  • 1996: Pavel Kohout
  • 1997: Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Mayer
  • 1998: Prof. Dr. Alfred Grosser
  • 1999: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Walter Jens
  • 2000: György Konrad
  • 2001: S.K.K.H. Dr. Otto von Habsburg
  • 2002: Prof. Dr. Dieter Kronzucker
  • 2003: Prof. Dr. Massimo Cacciari
  • 2004: H.H. Prof. Dr. Obiora Francis Ike
  • 2005: Prof. Dr. Dr. h.c. Irenäus Eibl-Eibesfeldt
  • 2006: Prof. Dr. Joachim Kaiser
  • 2007: Prof. Dr. Albert Scharf
  • 2008: Prof. Edda Moser
  • 2009: Hubert Weinzierl
  • 2010: Dr. Irina Scherbakowa
  • 2011: Dr. h.c. mult. Joachim Gauck

Prominente Teilnehmer

  • Lord Yehudi Menuhin
  • Mstislav Rostropowitsch
  • Svjatoslav Richter
  • Isaak Stern
  • David Oistrach
  • Igor Oistrach
  • Vladimir Ashkenazy
  • Elisabeth Leonskaja
  • Krzysztof Penderecki
  • Gidon Kremer
  • Maxim Vengerov
  • Patrick Gallois
  • François-René Duchable
  • Rudolf Buchbinder
  • Julia Fischer
  • Vadim Repin
  • Sabine Meyer
  • Natalia Gutman
  • Nelson Freire
  • Heinrich Schiff
  • Thomas Zehetmair
  • Tibor Varga
  • Maurice Andre
  • Olivier Latry
  • Jean Guillou
  • Vincent Warnier
  • das Alban Berg Quartett
  • das Melos Quartett
  • das Juillard Quartett
  • das Carmina Quartett
  • das Orchestre National de Toulouse
  • die Camerata Academica Salzburg
  • das Symphonie Orchester des Bayerischen Rundfunks
  • das Münchner Rundfunkorchester
  • die Wiener Philharmoniker
  • die Münchner Philharmoniker
  • die Bamberger Symphoniker
  • die Budapester Symphoniker
  • die Prager Symphoniker
  • das National Radio Symphonie Orchester Katowice
  • die Tschechische Staatsphilharmonie Brünn
  • die St. Petersburger Philharmoniker
  • das Radio Symphonie Orchester Berlin
  • das Royal Philharmonic Orchestra, London

Auszeichnungen

Die Stadt Passau hat für die Festspiele Europäische Wochen die Auszeichnung „Ausgewählter Ort 2007“ der Veranstaltungsreihe 365 Orte im Land der Ideen erhalten. Dabei sind laut PNP die Festspiele die herausragende Kulturinstitution Bayerns, die ausgezeichnet wurde. Zudem sind die Europäischen Wochen Träger des „Europäischen-Kultur-Projekt-Preises 2007“ der Europäischen Kulturstiftung „Pro Europa“ und des „Musikpreises 2009“ der Stiftung Europäisches Haus – Konzerthaus Passau.

Literatur

Weiterführende Publikationen

Weblinks

Festspiele Europäische Wochen Passau
EW-Logo.jpg

1995:Im Zeichen des Barock“ – 1996:Europa Sacrale“ – 1997:Im Geiste der Romantik“ – 1998:L’Esprit de la France“ – 1999:Im Zeichen des Gingko“ – 2000:Zukunft braucht Erinnerung“ – 2001:Prag, Wien, Budapest“ – 2002:Thank You Amerika“ – 2003:Sehnsucht nach Italien“ – 2004:Für Gott und die Welt“ – 2005:Sonne, Mond und Sterne“ – 2006:Hommage an Mozart“ – 2007:Im Europäischen Haus“ – 2008:Von Glaube, Hoffnung und Liebe“ – 2009:Ehre, wem Ehre gebührt2010:Frauengestalten – Frauen gestalten

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