Dom St. Stephan

Aus RegioWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche
Frontansicht des Stephansdoms.
Blick auf den Dom St. Stephan.

Der Dom St. Stephan (kurz: Stephansdom) ist die von 1668 an wiedererbaute Passauer Bischofskirche. Sie ist Bischofssitz und Hauptkirche des Bistums Passau und zählt zu den bedeutendsten barocken Kirchenbauten Süddeutschlands. Dompatron ist der Hl. Stephanus.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ein Grundriss des Doms.
Die Westfassade vor den Veränderungen von 1896

Frühmittelalterlicher Bau

Eine erste Urkunde aus dem Jahr 739 zur Einrichtung des Bistums Passau bezeugt, dass bereits zu diesem Zeitpunkt eine intakte kirchliche Administration in Passau vorhanden war. Zu jener Zeit gab es wie bereits ein Domkloster. Archäologische Funde dokumentieren zudem einen Kirchenbau im heutigen Domhof aus dem 7. bis 8. Jahrhundert. Dieser frühmittelalterliche Bau wurde durch die Kämpfe zwischen König und Herzog im Jahr 976 zerstört.

Frühromanischer Bau

Auch der frühromanische Bau, nach 978 durch Bischof Pilgrim errichtet, ist heute nur noch archäologisch nachweisbar. Die vermutlich dreischiffige Basilika mit zwei Türmen und einer Vorhalle im Westen wurde 1181 von einem Stadtbrand zum Teil zerstört und notdürftig wiederhergestellt.

Gotischer Bau

Unter Bernhard von Prambach wurde im 13. Jahrhundert mit dem Neubau des immer weiter verfallenden Doms begonnen. Die Arbeiten für diesen gotischen Bau dauerten bis ins 16. Jahrhundert an und brachten einen Kirchenkomplex mit einem Langhaus von über 100 Metern Ausdehnung, einer Breite von 33 Metern und einer Scheitelhöhe des Mittelschiffgewölbes von fast 30 Metern hervor.

Die Arbeiten am Neubau des dreischiffigen Chores unter dem böhmischen Baumeister Hans Krumenauer begannen 1407, konnten aber erst unter seinen Nachfolgern gegen 1444 vollendet werden. Der spätgotische Vierungsturm wurde von 1522 bis 1524 errichtet.

Barocker Bau

Der heutige etwa 100 Meter lange barocke Bau entstand nach dem Stadtbrand von 1662. Das Mittelschiffsgewölbe und ein Teil des Seitenschiffes stürzte erst ein, als die Bürgerwehr am Fronleichnamstag auf dem Domplatz eine Salve abschoss. Die Vierungskuppel blieb jedoch erhalten.

Der von 1668 bis 1693 dauernde Neubau wurde von Fürstbischof Wenzeslaus Graf von Thun begonnen. Für den Neubau verantwortlich war Carlo Lurago, der sich in Prag beim Bau des Thunschen Palais bewährt hatte. Am 14. Juli 1671 kam es zu einem schweren Unfall, als die halbe Seite des Neubaus einstürzte und fünf Arbeiter, darunter zwei „welsche“ (italienische) unter sich begrub. Die „angebohrene Clemenz“ (Milde) des Fürstbischofs bewirkte, dass der zunächst verantwortlich gemachte Lurago bleiben konnte.

Im Rahmen der Restaurierung und Weißfassung des Kirchenraumes wurde die Inschrift am Fries des Domturmes als die Initialen des Dombaumeisters erkannt. Zu lesen sind die Buchstaben C und L, dazwischen die Zahl 1675, das Datum der Fertigstellung der Kathedrale. Die Zahlen sind nicht farbig gefasst oder schwarz unterlegt, sondern integral in der Architektur gefasst. Möglicherweise durfte Lurago seine Künstlersignatur, was damals üblich war, nirgends dominant und in Farbe setzen; mit dieser Variante einer unscheinbaren Inschrift hat er sein Ziel ohne Konfrontation erreicht. Freilich könne man C und L auch als römische Zahlzeichen interpretieren, aber dann müssten die Zahlzeichen auch auf der anderen Seite des Turmes fortgeführt sein – und dies ist nicht der Fall.

Kuppelbekrönung

Die Helmglocke der spätgotischen Vierungskuppel stammt aus dem Jahr 1707, als die ursprüngliche Haube erneuert wurde. Am 6. Oktober 1707 wurde auf der neuen Kuppelbekrönung des Domes das Turmkreuz gesteckt. In die Kreuzkugel wurden Reliquien und eine Urkunde mit Siegel von Kardinal Johann Philipp von Lamberg eingeschlossen. Die Kuppel wölbte laut dieser Urkunde der Hofzimmerermeister Mathiasen Hackher.

Neufassung der Kuppelbekrönung im Jahr 1963. (Foto: Stadtarchiv Passau)

Das 19. Jahrhundert

Die achteckigen Obergeschosse der Westtürme mit den Glockenstuben und den neubarocken Hauben wurden erst 1896 von Dombaumeister Heinrich Freiherr von Schmidt aufgesetzt. Erst damals erreichten die Türme mit ihren 68 Metern die Höhe der Domkuppel.

Die Statuen an der Westfront, darstellend Maria sowie St. Stephanus, St. Severin, St. Maximilian und St. Valentin von Bildhauer Josef Schuler sen. wurden in den Jahren 1897 und 1898 angebracht, nachdem der vorhergehende Figurenschmuck des Bildhauers Fidelis Schönlaub von 1865 entfernt worden war.

Das 20. Jahrhundert

Die Figur des Erzengels Michael am Gefallenendenkmal wurde von Bildhauer Theodor Georgii geschaffen und kam 1924 zur Aufstellung. Nach der Gründung der Staatlichen Dombauhütte im Jahr 1928 begannen umfangreiche Renovierungsarbeiten, die bis heute andauern. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges erhielt der Dom neun Volltreffer von Artilleriegranaten und zahlreiche Splitterschäden aufgrund einer Beschießung durch eine amerikanische Geschützbesatzung von der Oberhauser Leite her.

Die Firma Wilhelm Endres hat die Kuppelbekrönung 1963 neu gefasst und am 4. November 1963 wieder auf dem Dom angebracht. Der Dom befindet sich bereits seit vielen Jahren in Renovierung und erhält aktuell sein ursprünglich weißes Aussehen zurück.

Siehe Hauptartikel: Renovierung des Doms St. Stephan

Äußeres

Der zur Hälfte weiß gestrichene Dom hinter der Alten Residenz.

Außenfassade

An der Ostseite des Domplatzes präsentiert sich die barocke, zweitürmige Barockfassade aus Haustein. Nicht zuletzt die Kuppeln, Böhmische Kappen oder Platzlgewölbe genannt, geben dem Bauwerk ein unverkennbares Äußeres.

Im Untergeschoss des Südturms öffnet sich ein Tor zur schmalen Zengergasse. Diese verläuft an der Südseite des Domes entlang zum östlich des Doms gelegenen Residenzplatz. Von dort ist der spätgotische Chorbau mit seinem filigranhaften Strebewerk sichtbar. Am Ostende des nördlichen Querarms befindet sich das zierliche achteckige spätgotische Stephanstürmchen, das von der Figur des Kirchenpatrons bekrönt wird.

An der Nordseite des Domes liegt ein großer Hof. Dieser Domkreuzgang mit seinem gotischen Portal ist ein Überrest des 739 bezeugten Domklosters. Der Kreuzgang wurde 1812 abgebrochen. Die hier befindlichen Grabsteine befanden sich vorher in der Andreaskapelle und wurden 1961/62 angebracht.

Am Kreuzgang des Doms mit seinem gotischen Portal liegt an der Ostseite des Platzes die Andreaskapelle aus der Zeit um 1300, bei der es sich um eine der ältesten Hallenkirchen in Bayern handelt. Die zahlreichen Grabsteine verweisen auf ihren ursprünglichen Zweck als Grablege der Domherren. Sie wird daher auch Herrenkapelle genannt. Den Chor mit Netzrippengewölbe schuf Hans Krumenauer im Jahr 1414

Unmittelbar südlich neben der Andreaskapelle befindet sich die Sixtuskapelle, die auch als Ortenburgkapelle bekannt ist. Sie birgt das Grabmal des Grafen Heinrich IV. von Ortenburg. Auf der anderen Seite des Domhofes liegen die Trennbachkapelle mit dem Hochgrab von Bischof Urban von Trennbach und die Lamberg-Kapelle mit der Grablege von Kardinal Johann Philipp Graf von Lamberg.

Ausstattung

Stuckaturen von Giovanni Battista Carlone. (Foto: Geisler)

Altäre und Kanzel

Der Hochaltar, der die Steinigung des Hl. Stephanus zeigt, wurde 1952 von Prof. Josef Henselmann geschaffen, von dem auch der Volksaltar von 1961 stammt. Zuvor befand sich hier ein unter Bischof Heinrich von Hofstätter geschaffener Hochaltar im Nazarenerstil. Bis dahin waren der Chor und das Querschiff durch ein hohes Gitter vom Kirchenraum getrennt. Als Altar genügte ein entsprechend dem Kirchenjahr mit wechselnden Bildern behängter Stoffbaldachin über der Mensa.

Die Nebenaltäre wurden durchweg zwischen 1685 und 1693 von Giovanni Battista Carlone angefertigt. Auf der rechten Seite vorne steht der Marienaltar, dann folgen nach hinten der Pauli-Bekehrungs-Altar mit Gemälde von Johann Michael Rottmayr (Bekehrung des Apostels Paulus, 1693), Martinsaltar mit einem Gemälde von Johann Carl Resler von Reslfeld, Christi-Geburts-Altar mit Gemälde von Andreas Wolff (Anbetung der Hirten, 1698) und Sebastiansaltar mit Gemälde von Rottmayr (Rettung des hl. Sebastian durch Irene). Auf der linken Seite vorn befindet sich der Agnesaltar mit dem Tabernakel und einem Gemälde von Rottmayr (Martyrium der hl. Agnes), es folgen Dreikönigsaltar mit Gemälde von Johann Caspar Sing (Anbetung der hl. drei Könige, 1697), Katharinenaltar mit Gemälde von Johann Carl Resler von Reslfeld (Katharina vor dem Thron der Muttergottes), Johannesaltar mit Gemälde von Rottmayr (Enthauptung des Täufers, 1693) und zuletzt der Maximilians- und Valentinsaltar.

Die vergoldete Kanzel fertigte 1722 bis 1726 der Wiener Hoftischler Johann Georg Series.

Stuckierung und Fresken

Das Innere des dreischiffigen Langhauses wird durch sechs von breiten Gurtbögen getrennte Joche gegliedert. Danach folgen die Kuppelvierung und schließlich der einschiffige Chor. Es dominiert die üppige, mit zahlreichen figürlichen Bildungen unterlegte Stuckierung Giovanni Battista Carlones und seines Mitarbeiters Paolo d’Allio. Besonders markant ist die Reihe der Atlanten im Chorgewölbe. Die 1679 bis 1684 entstandenen Fresken von Carpoforo Tencalla im Mittelschiff gipfeln im Kuppelgemälde mit Gottvater inmitten der Evangelisten und im Chorgemälde, das die Steinigung des hl. Stephanus darstellt. Carlo Antonio Bussi übernahm 1688 die Ausmalung der Seitenschiffe.

Glocken

Der Dom St. Stephan besitzt acht Domglocken. Das heutige Geläut spiegelt im Wesentlichen immer noch das historische Geläut von 1684 wider.

Siehe Hauptartikel: Glocken des Doms St. Stephan

Gruft

Die Bischofs- oder Domgruft dient als letzte Ruhestätte zahlreicher Passauer Bischöfe. Sie befindet sich unter dem Dom St. Stephan und kann jeweils an Allerseelen und am Todestag des letztverstorbenen Bischofs besichtigt werden.

Siehe Hauptartikel: Bischofsgruft (Passau)

Die Hauptorgel des Doms.

Orgel

Die Orgel des Stephansdoms (z.T. auch Steinmeyer/Eisenbarth-Orgel) wurde 1924 bis 1928 erbaut und gilt bis heute als größte Domorgel der Welt und zugleich als größte Orgel Europas. In den fünf Orgelwerken sind insgesamt 17.974 Pfeifen und 233 Register zu finden, die alle über den fünfmanualigen Hauptspieltisch auf der Empore gespielt werden können. Die größte der Orgelpfeifen ist über 11 Meter hoch und wiegt 306 Kilo.

Siehe Hauptartikel: Orgeln des Doms St. Stephan

Dombauhütte

Die 1928 gegründete Staatliche Dombauhütte Passau restauriert gegen den Verfall des über 600 Jahre alten Gemäuers an. Vier Jahre zuvor hatte sich die Diözese an die bayerische Staatsregierung gewandt. Der marode Bau konnte nicht mehr unterhalten, die dringend notwendige Sanierung nicht finanziert werden. Man kam überein, dass die Regierung den Bauunterhalt für den älteren gotischen Teil trägt. Für die aufwendige Sanierung wurde die Dombauhütte gegründet.

Der erste Jahresetat von 10.000 Reichsmark ging allein für den Gerüstbau drauf. Doch die Verantwortlichen waren findig. Spenden für die Baukasse statt Geschenke zum 75. Geburtstag von Bischof Sigismund Felix Freiherr von Ow-Felldorf waren eine solche Idee. 22.000 Reichsmark kamen so zusammen. Nochmal 36.000 Reichsmark wurden durch eine „Dombaulotterie“ eingespielt.

Siehe Hauptartikel: Dombauhütte Passau

Sonstiges

Seit 2008 herrscht bei jeder Domführung „Headset-Pflicht“ – sowohl für die Domführer, als auch für die Führungsteilnehmer. Dadurch wird dem Lärmpegel entgegengewirkt, der vor allem im Frühjahr und Sommer 2007 bei den Domführungen ein zunehmend unangenehmes Niveau erreicht hatte. Die neuen Hightech-Geräte vom Marktführer „Antenna Audio“ werden bereits im Louvre oder im Petersdom verwendet und funktionieren ähnlich wie ein iPod, erlauben also auch Musikeinspielungen. Sie kosteten in der Anschaffung 50.000 Euro (7 Sets mit jeweils einem Sender und 35 Empfängern); die Kosten teilen sich der Tourismusverband (⅔) und die Diözese (⅓) – denen auch die exklusive Nutzung vorbehalten ist. Reisegruppen, die bereits mit eigenen Headsets ausgestattet sind, müssen also trotzdem auf die Passauer Geräte zurückgreifen.

2013 wurde die zu diesem Zeitpunkt 50 Jahre alte Dombeleuchtung durch neue LED-Strahler ersetzt, die sowohl in der Lichtfarbe als auch in der Intensität steuerbar sind. Die Maßnahme kostete 380.000 Euro soll. Die alte Beleuchtung mit Natrium-Dampf-Lampen war bereits in einem sehr schlechten Zustand: die Strahlerpodeste auf den Dächern waren verrostet und die Verkabelung im Boden und den Häusern nicht mehr DIN-gerecht; die Folge waren hohe Instandhaltungskosten. Zudem gestaltete sich die Ersatzteilbeschaffung zunehmend schwierig.

Weitere Bilder

Der Stephansdom von Süden (Innstadt) aus.

Siehe auch

Literatur

Fachliteratur

Zeitungsartikel

Weiterführende Publikationen

Weblinks

Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Wörterbuch
Regionalportale
Werkzeuge